Donnerstag, 29. September 2011

Land unter!

Serbien und ich... man könnte unsere Anfänge als holprig bezeichnen.
Ich kam heute mal wieder schwer beladen aus der Schule nach Hause. Ich hatte vorher beschlossen etwas zum kehren und wischen zu kaufen, da mir sechs Monate ohne putzen doch etwas zu lang vorkamen. Dieser super- tollte und super-sperrige Mopp wollte also nach Hause getragen werden. Als ich die Tür aufschloss dachte ich mir noch nichts böses.
Beim Abstellen meiner Einkäufe vernahm ich ein leises plätschern im Bad. Das an sich ist nichts unnormales, da sich im Boden jedes Badezimmers, was ich bisher in Serbien gesehen habe, ein Abfluss befindet. Der erste Fuß, den ich dann doch ins Bad setzte wurde auch direkt nass. Aus der Heizung direkt über der Waschmaschine sprudelte förmlich Wasser... neben meinen Socken war auch so ziemlich alles andere im Bad klitschnass.
Also direkt den Vermieter anrufen-nein, ich kann ja kein serbisch, also eine Kollegin, die dann den Vermieter anruft. Eine viertel Stunde später klingelt es und ein weiterer serbischer Handwerker kommt in meine Wohnung, ganz ohne irgendwas. Ein Handgriff, er dreht eine Art Ventil zu, fertig. Und ich stehe da in hochgekrempelten Hosen und Mopp.
Wieder zehn Minuten später klingelt es erneut und ein vierter Handwerker kommt um die Waschmaschine zu begutachten und einen Kostenvoranschlag zu machen. So weit ich den ausschließlcih serbisch sprechenden Mann verstanden habe ist das Trommellager kaputt. Um das auszuwechseln muss man den Motor rausnehmen und dafür die Maschine mitnehmen. Bezahlen muss ich das vorerst übrigens selbst bzw. wird es dann von meiner Kaution abgezogen- vielleicht hilft Dr. Walter ja noch.
Während wir auf seinen Kollegen warten versucht der gute Mensch doch tatsächlich sich mit mir zu unterhalten. Schade nur, dass ich kein Wort verstehe- wie muss das dann erst für die Freiwilligen in Asien oder Afrika sein? Als ich ihm mein Wörterbuch unter die Nase halte, damit er mir Worte zeigen kann, bedeutet er mir, dass er ein Brille dazu bräuchte, die er nicht dabei hat... Hände und Füße, serbisch und deutsch-ich habe keine Ahnung was zur Hölle der Mensch von mir wollte! Als er und seine Kollegen die Waschmaschine anheben kommt natürlich gleich nochmal ein Schwall Wasser inklusive vollfremder Haare und Fusseln vorgeschwappt, versetzt mit einem leichten Hauch Rostfarbe, na lecker.
Die Bilanz nach dem Aufräumen ist (besonders ohne Waschmaschine) nicht so schön:
Handtücher, Bodenmatte, Wasch- und Putzmittel, Kosmetikzeugs: alles nass und stinkig von abgestandenem Heizungswasser. Ich geh dann mal putzen, nech!?

Mittwoch, 28. September 2011

Wohnen in Valjevo

Der erste Vermieter hat es sich über Nacht anders überlegt: von fast sicher zu nicht mehr vermieten wollen. Das zweite Zimmer kostete mehr als verabredet und die einzige Kommunikationssprache war Serbisch. Die dritte Wohnung war für ihren Zustand zu teuer und der Vermieter seltsam. Bei Wohnung Nummer vier in zwei Tagen war nicht klar wie hoch der (normalerweise pauschale) Nebenkostenteil für die Heizung sein wird und die Angaben schwankten zwischen 20 und 50€.
Am Ende stellte sich die einfachste der Lösungen als richtig heraus: man bezahlt, was man verbraucht, može! Lange rede großer Blödsinn Wohnung Nummer vier ist es geworden. Ganz neu hieß es und sah auch so aus. Einraum, zwei große Fenster zum Hof hinaus, Bad, Küchenzeile, Kühlschrank und Waschmaschine vorhanden. Es stellte sich jedoch heraus, dass die letzteren beiden nicht so wirklich funktionieren. Der Kühlschrank bekommt allen Anschein nach (wie auch zwei der Lampen und mind. eine Steckdose) keinen Strom und die Waschmaschine weigert sich die Wäschetrommel auch nur einen Milimeter zu drehen. Dank einer serbischen Kollegin konnte ich noch an Tag drei nach Einzug in die Wohnung den Vater der Besitzerin („der General“) und einen Elektriker in meiner Wohnung empfangen (in Serbien gibt es nämlich viele Eigentumswohnungen). Beide sprachen nur Serbisch, jetzt geht aber alles außer der Waschmaschine, die braucht Ersatzteile und das dauert…
Neben die vielen angenehmen Dingen am Wohnen in Serbien muss man auch sagen, dass die relative und absolute Abwesenheit eines Mülltrennsystems ganz und gar nicht schön ist! Die überall herumstreunenden Hunde durchwühlen dann auch noch den Müll nach Fressbarem und streiten sich dann darum, nachts- ich möchte ihnen jedesmal diese leichten Plastiktüten, die man hier immer und überall bekommt (auch trotz Stoffbeutel, da setzt man den Plastikbeutel dann einfach rein) aus den Schnauzen ziehen, aber naja…
Schön ist, dass man sich des Kinderlärms gar nicht erwehren kann. Die Kinder hier können teilweise recht lang abends auf bleiben, da die Schule im Schichtsystem stattfindet (von 8 bis 14 oder von14h bis 20h) und verbringen im Moment  (24°C tagsüber) noch die meiste ihrer Freizeit an der frischen Luft, spielen, lärmen, raufen- was auch immer und niemanden stört es! So muss es sein!
Um die Kommunikation mit den Liebsten nach fast einer Woche schweigen auf den Kanälen wiederzubeleben soll auch endlich Internet ran. Da erzählt jeder etwas anderes. Richtiges, festes Internet muss angemeldet werden, das dauert ein bisschen, scheint auch nur über Jahresverträge zu gehen und kostet 15 bis 20 Flocken im Monat. Surfsticks erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, können Prepaid und im Dreimonatsvertrag auch Postpaid erworben werden. Als Ausländer (die ersten zehn male war‘s komisch so genannt zu werden, inzwischen ist es normal) darf man aber keine Verträge abschließen, man brauch jemanden, der für einen bürgt (wie bei der Aufenthaltsgenehmigung übrigens auch). Der Direktor der Schule hat diese Aufgabe zur Chefsache erklärt. Das Wichtigste könne ich ja an dem Computer im Lehrerzimmer erledigen (komplett einsehbarer Bildschirm, Facebook blockiert, von Skype ganz zu schweigen) aber immerhin Emails und Geldkram… Nach fast einer Woche in Valjevo und einen Tag nachdem der oberste Jahrgang zur Klassenfahrt nach Griechenland aufgebrochen ist bin ich nun in Besitz einen Surfsticks, juchheißassa!
Ohne Konto zu bezahlen geht im Übrigen ganz problemlos, Barzahlung ist hierzulande sehr üblich, sogar die Miete kann „Cash-auf-Kralle“ gezahlt werden. Manchmal nervt es dann aber doch ein dickes Portemonnaie voller Geldscheine zu haben, die ca. zehn cent wert sind, die will hier auch keiner so richtig haben…

Eine Miniführung durch meine erste eigene Wohnung (ein Filmchen folgt noch):
 Couch/ Bett, recht bequem, aber auch nichts besonderes. In den goldenen Bilderrahmen (die Rahmen sind schön) befinden sich gestickte Bilder mit Pferden oder Landschaften. Das Reliefbild von Italien und das Riesenportrait eines Pärchens habe ich abgehängt!
Rechts: mein Schreibtisch! links daneben mein Bücherregal, darüber die Wand mit allen, die ich eigentlich am liebsten ganz in meinen Koffer gestopft hätte.


Meine Küche! Kühlschrank, eine Pfanne, ein Topf (gekauft), ein Löffel, zwei Gabeln, drei Messer (geliehen), je zwei Teller und Schüsseln (geliehen), ein Aschenbecher und ein paar Gläser und Tassen.

Das Bad ist ein ganz normales mit Dusche usw, im Flur ist ein großer Kleiderschrank, ich brauche noch einen Stuhl, da einige Regalfächer viel zu weit oben für mich sind und, sollte die Waschmaschine je funktionstüchtig werden (in Valjevo gibts ja auch KEINEN Waschsalon), einen Wäscheständer.
Nächste Einträge über Essen usw. sind in Planung!

Donnerstag, 22. September 2011

Wohnungsuche in Valjevo

Ich bin in Valjevo angekommen...
Chronologisch betrachtet sind wir mit dem Bus angekommen, zur Schule gefahren, Kaffeeempfang bei dem Direktor und Kenenlernen von drei der vier Deutschlehrerinnen, dann Wohnungsbesichtigung eins und zwei, kurzer Stadtrundgang, Wohnungsbesichtigung drei, die GI-Mentorin zum Busbahnhof bringen und dann mit der Lehrerinnen-Mentorin nach Hause fahren (ihr armer Mann musste meinen Koffer in den zweiten Stock wuchten...) So weit die moeglichst objektive Sicht.
Subjektiv gesehen stand die erste Wohnung eigentlich schon so gut wie fest, der Vermieter entschied sich aber Sekunden nach unserer Ankunft offenbar um und wollte nun GAR nicht mehr vermieten. Das zweite Zimmer war bei einer aelteren Dame, mit der ich keine Silbe einer gemeinsamen Sprache teilen konnte. Das Zimmer waere ein absoluten Abenteuer geworden, aber irgendwie war es auch nicht so richtig was... Die dritte Wohnung war nett und super gelegen, recht teuer (hart am oberen Limit), aber der Vermieter war seltsam und konnte bzw. wollte nichts ohne seine Frau entscheiden... Auf mehere Einladungen hin bin ich jetzt fuer eine (oder zwei, drei, vier..) Nacht bei meiner serbischen Mentorin untergekommen. Ihre ganze Wohnung ist, wie auch die ersten beiden Zimemer-ROSA! 
So bekomme ich zumindest die Gastfreundlichkeit der Serben direkt zu spueren, ich sitze am Familiencomputer, schlafe im Zimmer der aeltesten Tochter (schon ein bisschen seltsames Gefuehl...) und bekomme Entschuldigungen am laufenden Band zu hoeren, dabei bin ich gerade einfach nur dankbar für die Unterkunft, die Freundlichkeit -alles einfach... Sie sind wirklich alle ungalubllich nett zu mir-ein richtiges Ankommen ist es leider trotzdem nicht, aber das kommt noch!

Mittwoch, 21. September 2011

36h Belgrad


Gestern gegen Morgen bin ich heil und fertig mit viel zu schweren Gepäck nach schlafloser Nacht in Belgrad angekommen. Ich wurde sogleich von meiner überaus netten und lockeren Mentorin abgeholt, mit super leckerem Frühstück versorgt und ins Hostel gepackt. So am Rande möchte ich würdigen, dass diese Frau ein Quell wertvoller Informationen ist, vor allem was Sachen betrifft, die nicht im Reiseführer stehen!
Nach einer Dusche und etwas Schlaf beschloss ich, mich absichtlich zu verlaufen um Stadt und Leute besser kennen zu lernen. Gesagt getan, eine meiner leichtesten Übungen! Ich habe auch tatsächlich einiges von dem Viertel in dem ich wohne (das alte jüdische, sehr schick, sehr hipp) gesehen. Wenn man dann aber doch gezielt irgendwo hin will, stellte es sich als überaus praktisch heraus die Schrift lesen zu können… Ich hatte zwar eine Karte, war aber nicht in der Lage irgendwelche Schriftzüge einander zuzuordnen. Aber immerhin konnte ich eine Menge Leute anquatschen und auf das Kreuz zeigen, wo ich hinwollte…
Heute morgen fand ich mich dann mit nur zwei mal Fragen zum Goethe Institut, wichtige, nützliche und spannende Menschen kennenlernen und Hände schütteln… Herauszuheben sind die Reaktionen der Menschen, wenn sie erfuhren, dass ich nach Valjevo gehen würde: „Valjevo, aha soll nett dort sein… [betretenes Schweigen] ich war ja noch nie da…“ Nach dem gemeinsamen und sehr leckeren Mittagessen noch zum Büro des DAAD und dann war wieder ein wenig Zeit die Stadt anzulunzen. Eine Sache, die man sich in Belgrad unbedingt ansehen muss, ist die Festungsanlage- und ich tat es gleich zweimal. Das erste mal in Begleitung einer meiner Mitfreiwilligen und das zweite mal im Dunkelmunkel mit viel Licht und so…




Nach den anderthalb Tagen kann ich noch nicht wirklich viel sagen, aber Belgrad ist echt nett. Ein bisschen wie Italien, was die Parkanlagen betrifft: viel Rasen, weniger Bäume. Die Innenstadt ist belebt und man trifft zu jeder Tages- und Nachtzeit ein breites Spektrum an Menschen. Allerdings sollte man sich gerade nach Sonnenuntergang an die Schmatzgeräusche in den Parks gewöhnen. Bisher musste ich mir aber auch noch nix schlimmeres als gegenseitiges-Gesicht-aufessen von Jugendlichen ansehen… alles im Rahmen also ;) Ich werde auf jeden Fall noch einige Male wieder her kommen!
Morgen geht’s mit dem Bus nach Valjevo u.a. zwei Wohnungen (Untermiete bei einem Ehepaar und allein) ansehen und die künfige Wirkungsstätte in Besitz nehmen. Vorher müssen die ganzen schweren Sachen noch in den Koffer, die Kraxe ist nämlich wie ein bisschen angerissen… Wie ich da jetzt noch Lust drauf hab! Ich kann es wirklich kaum erwarten, dass das Schleppen von derart viel Gepäck ein Ende nimmt!
Mehr später ;)

Samstag, 17. September 2011

Ich packe meinen Koffer…


Als ich vor fünf Jahren nach Frankreich ging, packte ich meinen Koffer am Morgen der Abreise. Jetzt irgendwie undenkbar. Im Moment sind es laut Internet in Valjevo noch so um die 27°C, im Winter können es aber gut und gerne auch mal so -15°C werden. Ich habe einen großen Koffer und einen großen Rucksack…
Zu aller erst war der Koffer allein durch meine Pullover gefüllt- ganz schlecht! Was nehme ich mit, was nicht, was kann ich vielleicht nachholen oder schicken lassen? Am besten die wichtigesten Dinge zuerst: Fotos von den Liebsten, Literatur, Gastgeschenke, Schokolade, Platz für den Rechner lassen, Schlafsack und Zahnbürste… Bei dem Rest entschied ich  mich für eine zwiebelfähige Zweiwochenausrüstung, der Rest ist NEMA PROBLEMA!

 Jetzt muss ich nur noch die Katze irgendwie aus dem Koffer bekommen…

Tag 5, 6, 7, 8, 9 und 10- das Fieber hat zugeschlagen! (15.09.2011)

Erst beschwert man sich über die Länge der langen zehn Tage Vorbereitungsseminar und blubb- sitzt man schon wieder im ICE nach Hause. Die vergangenen Tage im Einzelnen wiederzugeben wäre schierer Blödsinn, also hier die Höhepunkte:
Es gab einen Partnertag, an dem sich die Empfängerorganisationen vorstellten. Das Goethe Institut an sich und das Netzwerk der Pasch (Partnerschulen), der DAAD, die UNESCO und die anderen Kooperationspartner. Ergebnis der Präsentationen waren zufriedengestellte DAAD und UNESCO- Freiwillige und durch einen sechsstündigen Vortrag kreuz und quer über die 600 Unterseiten der Internetpräsenz verwirrte Freiwillige des Goethe- Instituts…
Samstagabend war Kulturabend. Nach voriger Anmeldung konnten alle Freiwilligen zeigen, was sie drauf haben. Es wurde geklampft, gesungen, getanzt, gerappt, gejodelt und Filme und Fotos gezeigt… Der Abend war wirklich toll, auch der Chorauftritt bzw. die Auftritte hatten Ihre Wirkung. Gleich am Anfang „Voir sur ton chemin“ (Die Kinder des Monsieur Matthieu) und als Überraschung am Ende haben wir das Publikum eingekreist und vierstimmig den Refrain von „Let the sunshine in“ gesungen. Gänsehaut bei den Interpreten eingeschlossen! (Memo an mich: erster Sopran ist auf die Dauer auch nicht so der Brüller)
Der Besuch im Auswärtigen Amt (AA) wurde mit viel Trallera angekündigt: UNBEDINGT die Hundemarken mitnehmen, AUF GAR KEINEN FALL den Perso vergessen, WENIG Gepäck, KEINE Flüssigkeiten mitnehmen… (Letzteres stellte sich übrigens als Fehlinformation heraus, wie wir zu unserem durstigen Leidwesen feststellen mussten). In das AA hineinzukommen, war dann aber trotzdem nicht so einfach, beschreibt sich aber am leichtesten mit dem check-in am Flughafen. Danach musste gewartet werden, dann gabs einen Werbefilm, dann einen unvorbereiteten und sehr Monotonen Vortrag über das AA, dann einen Vortrag über Lichtkunst (an sich sehr spannend, aber durch die Vorermüdung stark in der Wirkung beeinträchtigt.
Das Büffet hinterher war lecker, aber machte irgendwie den Eindruck nicht für knapp 200 Freiwillige gemacht worden zu sein: Es gab nur ca. 6 Bistrotische, einige der Speisen reichten auch nicht mal bis zum Ende... Das Gruppenfoto hinterher ließ die Auswirkungen der vergangenen Woche Starkbeeinflussung sehr deutlich werden. Einer ruft „k-u-l“ alle rufen „t-u-r“, wahlweise auch „kultur“ und „weit“. Selbige Aktionen dann beim Schütteldanceflashmob am Brandburger Tor und bei der Menschenpyramide vor dem Bundestag. Es war zwar irgendwie lustig- aber ich möchte nicht wissen, wie das auf Außenstehende gewirkt hat…Danach dann Berlin-Kreuzberg mit einem Cottbuser Lieblingsmenschen: ein Fluchtpunkt, Ruhe, Individualität und wieder ein Hauch Freiheit…
Der größte Höhepunkt war allerdings das soziale Leben. Am fünften Tag war es dann irgendwie auf einmal klar, in der Heimatzone hat sich eine Gruppe von fünf bis sechs jungen Damen zusammengefunden, die von da an jeden Abend miteinander verbracht haben. Die Nächte wurden länger, Bierhaltiger und immer pubertärer. Es hat sich zeitweise wirklich angefühlt wie Ferienlager in mit 13.
Die Sympathien konnten sich soweit entwickeln, dass wir sogar unser Tagungs-Kurzzeitprojekt richtig gut auf die Reihe bekommen haben. Das Schneiden des Filmchens hat dann nämlich doch wieder sehr viel Zeit erfordert, ich wurde allerdings mit unterhaltsamer Anwesenheit meiner Mitfreiwillligen, Schokolade und Bier versorgt und habe auf diese Weise nicht mal was verpasst! Und ganz nebenbei ist der Film auch noch richtig gut angekommen! Ich habe wirklich fest vor mit den Mädels und noch einigen anderen in Kontakt zu bleiben, so interessante Menschen trifft man wirklich nicht überall! Die Party gestern Abend war dann frei nach dem Motto: „Was soll der Geiz- jetzt ist eh alles egal!“ Demzufolge haben wir uns dann auch benommen… (alles im Rahmen natürlich ;)
Heute morgen gab es dann letzte Informationen, Verabschiedungen, einen letzten Massen-Energizer und jetzt geht’s einfach nach Hause. Vernünftiges Internet, Warme, trockene Zimmer und Betten, Abschiede, Packen und Einkäufe letzter Minute und in vier Tagen werfe ich mich dann in den Zug. Ich weiß immernoch nicht, wo ich in Valjevo wohnen werde, die ersten beiden Tage bleibe ich zu ersten Informationen in Belgrad…
Es bleibt auf jeden Fall spannend… oder wird jetzt erst richtig?

Tag 4 der Vorbereitungstagung- Abi 2011, GI, Pascha und Fluchen im Balkan.(09.09.2011)


Heute war Tag der Partnerorganisationen. Die aufnehmenden Institute haben sich heute vorgestellt (mehr oder minder ausführlich), uns Gruppenarbeiten und Quizze machen lassen. Die neueste Entdeckung des Tages: Menschen mit ABI 2011 Kleidung. Meine momentanen Mitbewohner und ich reagierten beim ersten Sichten dieser Kuriosität fast einheitlich mit „Niedlich!“. So macht sich langsam und schleichend die Arroganz breit…
Heute Abend war der erste Kurs in Serbisch. Man unterscheidet zwischen C(Z) Č(tsch) Ć(tj) Z(s) Ž(frz. Je) und Dž (dsch). Kinderleicht! Das schwerste ist bisher in der Tat das Rollen des R mit der Zunge am Gaumen… Am Ende durften wir uns noch Vokabeln wünschen und natürlich will man als erstes wissen, wie man so richtig schön ordentlich fluchen kann. Es wird wohl an sich in Serbien und in der Balkanregion an sich tierisch viel geflucht, Zitat: „Wir ficken alles, was man ficken kann!“ Das kann ja nur spannend werden!

Tag 3 der Vorbereitungstagung (08.09.2011)

Der Tag heute verlief nicht viel anders als der Tag davor. Seminar in der Heimatzone, Projektplanung (Wer? Was? Bis Wann? Womit?) und dann Einweisung ins Pasch-Netzwerk (eher unübersichtlich, aber mein Freund das Internet birgt genau die gleichen Informationen für mich, die ich heute überhört habe).
Nach dem Abendessen (ja, auch hier wird der Tag durch die (gänzlich organischen) Mahlzeiten strukturiert) fand der Markt der Möglichkeiten statt. Die letzten Tage konnten Angebote und Gesuche an eine Art schwarzes Brett geschrieben werden, Termine vereinbart usw. Eigentlich wollte ich heute einen Unfallkurs im serbischen kyrillisch machen, aber irgendwie fand der nicht statt. Alternatividee war Selbstverteidigung und vorher Improtheater, oder so. Das Improtheater an sich dauerte dann doch länger als gedacht, weil ich auch noch zwei Leuten meine Abschlussarbeit per Email schickte und dann ein Mensch auf den Klavier zu spielen begann und mich sowas ja schon immer festhalten konnte.
Schon ein paar Stunden zuvor fingen zwei Mitfreiwillige meine Aufmerksamkeit, da sie aus Spaß an der Freude ein Medley aus allen ihnen bekannten Gesellschaftstänzen hinlegten- Gott! Wie gern ich das können würde!!! … Wie auch immer, das Klavier spielte „Vois sur ton chemin“ aus „Die Kinder des Monsieur Matthieu“. Ich entschied spontan mitzumachen (die Zeit für den Selbstverteidigungskurs war eh schon vorbei) und nun bin ich etwas heiser, aber glücklich. Ich singe zwar schief, aber unglaublich gern und dann auch noch Zeitgenössisches. Morgen wieder!

Tag 2 der Vorbereitungstagung (07.09.2011)


Es schläft sich mehr schlecht als recht auf der Inkontinentsunterlage und in der klinisch anmutenden Bettwäsche, kalt ist/ war es auch noch. Nichtsdestowenigertrotz ging es heute wieder in die Heimatzonen: Was ist Kultur? Was ist Heimat? Und Ideen für ein Kurzprojekt während der Tagung, was allerdings noch geheim bleiben muss.
Der Abend endete gemütlich in Regionenrunden. Erst wurde je nach Region (Südamerika, Naher Osten, GUS- Staaten, Mittel-Süd-Ost-Europa, Asien, Südostasien, Afrika) gemeinsam an einem Tisch dinniert und dann in noch kleineren Runden ein wenig weiter palavert. Überraschung des Abends: eine Freiwillige geht nach ROM!- saß zudem auch noch in meiner Balkan- Regionengruppe. Es ist also amtlich, seit heute gehört Italien zum Balkan!..
Der erste Anruf in die Heimat wurde abgesetzt, nach den letzten drei Wochen Dauerfeuer Lieblingsmenschen war das Gespräch dann doch länger als gedacht, dafür natürlich unvermindert gut. Der Plan bleibt voll, es gibt immer noch unbekannte Gesichter (was sicherlich auch nicht aufhören wird), die erste Unterkunft in Belgrad ist organisiert und es wurde eruiert, dass Goethe Institut doch wahrscheinlich interessanter wird als DAAD.
Noch ein Nachtrag zum Serbien Exkurs: Nach eingängigem Gespräch mit der tollen serbischen Betreuerin rückt der Kosovo- Konflikt wieder mehr in den Hintergrund („Das kann man nicht verstehen, jede Seite erzählt etwas anderes“), die Vorteile der kleineren Stadt wurden hervorgehoben (DIE Deutsche in der Stadt- ein Leben als bunter Hund kann ich mir sogar ganz gut vorstellen ;). Morgen wird wohl wie heute werden, aber die Menschen bleiben spannend!..

Tag 1 der Vorbereitungstagung (06.09.2011)


Um 15.00 Uhr Ortszeit kamen knapp 200 Freiwillige hier am See zwischen Berlin und Frankfurt/ Oder an, manche mit Gepäck zum direkten Weiterreisen in die verschiedensten Ecken der Welt. Es gibt hier vier Häuser mit ganz vielen 3Bettzimmern. In die Häuser wurden wir alphabetisch einsortiert, in die Zimmer wohl nach Gutdünken… es kann einfach kein Zufall sein, dass ich mir ein Zimmer mit zwei Damen Teile, die ebenfalls weit jenseits der angenommenen 18 Jahre sind.
An den Eingängen zu den Häusern werden wir durch Wahl zweier miteinander verknoteter bunter Wollfäden in sogenannte ‚Homezones‘ eingeteilt, jeder bekommt ein Schlüsselbändchen mit Namen, Aufnahmeorganisation und Gastland, es wird mehrfach gesagt, dass die ‚Badges‘ unbedingt die ganze Zeit zu tragen sind… ein bisschen wie Hundemarken muten die Dinger schon an…
Danach gibt’s Begrüßungsworte, Anerkennung, Vorstellung der Organisatoren, Mitarbeiter, Leiter, Trainer und dann geht’s auch schon in die Heimatzonen. Organisatorisches, Informatives, Grundlegendes, eine theateraffine Trainerin mit dunkelbraunem Bob, sanfter Art, einer Menge Kreativität und Energie wird mich und noch einige andere durch die 10 vollgestopften Tage leiten. Abendessen, ein sehr interessanter Vortrag über nachhaltige Bildung, wer will kann sich noch einen Film ansehen. Die Mücken überall und das daheim gelassene Mückenspray nerven…
Die Leute hier sind teilweise wirklich interessant, viele Bachelor- Absolventen (Lehrämter, Psychologen, Pädagogen und so Zeugs), ein- oder zwei Masterabsolventen (Deutsch als Fremdsprache und interkulturelle Studien für Südamerika), vielleicht findet sich auch irgendwo noch ein Diplomant. Noch viel interessanter sind die Ziele der verschiedenen Menschen: Russland, Indonesien, Mexiko, Chile, Argentinien, Mongolei, Bosnien- alles, was man sich vorstellen kann. Bis jetzt noch kaum einer, dessen Ziel ich nicht auch gerne mal mindestens besuchen würde.
Störend sind die ganzen Anglizismen, die einem hier um die Ohren fliegen („Alrightie“?, „Great!“. mein pers. Liebling: NICE SCHEIßE!), ich kann es gar nicht mehr alles aufzählen. Morgen geht es dann richtig los- man darf gespannt blieben.

Über Serbien (06.09.2011)


Mit der richtigen Auswahl eigener Musik ist es doch immer wieder möglich in den absurdesten Situationen eine Art von Sicherheit und Ruhe zu erzeugen: Auf dem ICE-Klo, während das Flugzeug über ein Gewitter fliegt, einer sich in eine Richtung bewegenden Menschenmasse entgegenlaufend… Doch genug über die psychische Wirkung von Musik im Wechselspiel von Sicherheit und neuen Eindrücken philosophiert, ich habe versucht mir in den letzten Tagen ein Bild von Serbien anzulesen.
Serbien ist keinesfalls ein Land, was man in drei-vier Sätzen zusammenfassen könnte, zumindest kann ich das nicht. Wenn man „Serbe“ googelt gibt es keine schönen Klischeebilder, die einem zehnmillionen Vorurteile ins Hirn pflanzen, da muss man schon kreativer werden…
Bisher konnte ich in Erfahrung bringen, dass der kommunistische Staat Jugoslawien durch nationale Bewegungen in verschiedenen Teilstaaten stark bröckelte. Unabhängigkeitsbestrebungen brachten das ganze Konstrukt zum wackeln, es gab Proteste und Auseinandersetzung. Die jugoslawische Armee schritt ein und dann irgendwie ist das ganze eskaliert. Der Kosovo, in dem es ja immer noch ab und an rumort, wollte sich von Serbien abspalten, die Kosovo-Albaner (die Mehrheit der Kosovaren) enthielten sich auch einer Abstimmung, die Serbien zu Gute gekommen wäre. Serbien wiederum erkannte den Kosovo nicht als eigenständige Region an, so viel traue ich mir zumindest zu, zusammenzufassen. Um das Ganze noch zu verkomplizieren spielen auch noch einige Namhafte Politiker (u.a. Slobodan Milošević) in die Geschichte mit hinein, später bin ich vielleicht in der Lage mehr darüber zu sagen.
Die Vorbereitungstagung und mit ihr über 190 Mitfreiwillige rückt in immer greifbare Nähe, es bleibt spannend!
So long, folks! Salut! Ciao! Adiós! Xiàcijiàn! Zbogom! Und wie man sonst noch so sagen kann.

Freitag, 16. September 2011

Prolog auf dem Bahnhof (06.09.11)

Die Sonne schien warm und freundlich an diesem Spätsommertag als ich das Haus verließ um wieder einmal mit einem Rucksack auf dem Rücken die Weltherrschaft an mich zu reißen. Nun sitze ich hier auf dem „Salz und Pfeffer“ Marmorfußboden des Leipziger Hauptbahnhofes und bin auf dem Weg zur Vorbereitungstagung des „kulturweit“ Freiwilligendienstes der UNESCO und des Auswärtigen Amtes. Eine Frau mit einem Gesicht wie eine Krankenschwester scheint sich mit ihrem slavisch anmutenden Freund zu streiten (Kennt jemand noch Ruth und Nikolai aus Six Feet Under?). Doch wie bin ich hier her gekommen?
Doch vielleicht sollte ich mich vorher kurz umreißen, damit man einen besseren Eindruck von mir bekommt: Ich wurde in einer Kleinstadt in der Nähe von Leipzig geboren und habe in Cottbus studiert. Ich habe einen Studienabschluss, aber es ist weder ein Bachelor noch ein Master. Ich mag eigentlich alles, was eine Mimik aufweisen kann, Kultur, Reisen- das ganz normale Programm…
Es sind inzwischen bald elf Monate da mich im vorletzten Semester meines Studiums die Zukunftsangst packte und ich im Internet auf der Suche nach möglichen Wegen nach dem Abschluss auf diese Version des FSJ stieß.
Am Anfang war ich mir nicht sicher, schließlich würde ich bald meine Abschlussarbeit schreiben und wäre dann voraussichtlich fertig mit studieren- sollte ich nicht anfangen zu arbeiten? Andererseits wollte ich mich noch nicht niederlassen und mich in die Mühle der sozialversicherungspflichtigen Werktätigkeit begeben, nach aktuellen Maßstäben werde ich so oder so noch mindestens 44 Jahre arbeiten müssen-kein Druck also.
Die Bewerbung für das „kulturweit“ verlief gänzlich online- sehr praktisch! Gefragt waren die üblichen Sachen: Warum? Wieso? Warum ich? Wohin? Warum dahin? Sprachkenntnisse, Abschlüsse und und und. Dazu noch alle Referenzen als pdf hochladen und rechtzeitig abgeben (Beginn des FSJ 09/2011- Bewerbungsschluss: 11/2010). Dann hieß es warten, bis März/April müssten sich potentielle Aufnahmeorganisationen melden, ab und an gab es eine Rückmeldung der Koordinationsstelle, wo mein Profil gerade hinversandt wurde.
Der Frühling kam und ging, niemand meldete sich. Verwunderung. Eigentlich hatte ich mir gute Chancen ausgerechnet, normalerweise machen doch hauptsächlich Abiturienten ein FSJ, oder? Und mit mir hätten sie jemanden mit abgeschlossenem Studium bekommen. Offenbar falsch gedacht. Als sich im Mai immer noch niemand gemeldet hatte schrieb ich den ganzen Kram für mich ab und begann nach Arbeit zu suchen. Natürlich kam just in diesem Moment eine Email mit der Anfrage für ein telefonisches Bewerbungsgespräch- aus Kambodscha. Ok- nicht unbedingt meine Wunschregion zu dem Zeitpunkt, aber ich freute mich und hatte sogar das Gefühl, dass das Gespräch gut verlaufen sei, aber danach zuckte sich wieder nix.
Ende Juni kam noch eine Email, diesmal aus Serbien. Das Telefonat verlief diesmal gefühlt noch besser und um das Ganze noch zu krönen schien die andere Seite das auch so zu sehen. Großartig. Inzwischen waren schon die ersten Bewerbungen abgeschickt- was nun? Raus in den Balkan oder pokern und versuchen ein Fuß und die Arbeitswelt zu bekommen? Das „Zigeunerblut“ wie mein Vater das nennt, was einigen meiner Familienmitgliedern immer wieder ganz böses Fernweh beschert, hat gesiegt- Ende September werde ich für sechs Monate nach Serbien gehen!
Ich werde nach Valjevo gehen, eine Stadt westlich von Belgrad, die man bald nicht mehr groß nennen kann. Ich werde dort an einer Schule, die Partnerschule des GoetheInstitutes ist, eine Art Fremdsprachen- und Kulturassistent sein. Ich bekomme Sprachunterricht (für meine nichtvorhandenen Kenntnisse des Serbokroatischen), Hilfe bei der Wohnungssuche, Urlaub und noch so einige andere Annehmlichkeiten.
Ein ‚Problem‘ gibt es noch: Ich kann in meinem Kopf keinerlei Klischees, Vorurteile oder Halbwissen über Serben und die Republik Serbien ausgraben… irgendwie war das was mit Jugoslawien und da ist ja auch irgendwie ständig Stunk mit dem Kosovo- das muss unbedingt vorher noch eruiert werden!
Die letzten Wochen waren geprägt von dem Einholen medizinischer Auskünfte und Versicherungsnachweisen, dann noch schnell kurz und zwischendrin der ewig geplante Roadtrip mit ein paar der Herzensmenschen durch Kalifornien. Vor vier Tagen bin ich gelandet, sämtliche Weiterreisen sind gebucht, nach der 10tägigen Tagung in einem Jugendzentrum östlich von Berlin geht’s nochmal für ein Wochenende nach Hause, Umärmelungen verteilen und dann gibt es kein Halten mehr! (19 Stunden Zugfahrt nach Beograd)
 Alles, was noch fehlt ist eine feste Unterkunft in Valjevo, aber da wird bereits mit Hochdruck dran gearbeitet. Vorher gilt es so oder so einige Tage in Belgrad zuzubringen und das künftige Königreich in Besitz zu nehmen. Im Moment steht die Tagung an, viele neue Leute, ein volles Programm- über Serbien bin ich inzwischen auch etwas schlauer, aber das muss bis zum nächsten Eintrag warten.
So long, folks! Salut! Ciao! Adiós! Xiàcijiàn! Zbogom! Und wie man sonst noch so sagen kann.