Doch vielleicht sollte ich mich vorher kurz umreißen, damit man einen besseren Eindruck von mir bekommt: Ich wurde in einer Kleinstadt in der Nähe von Leipzig geboren und habe in Cottbus studiert. Ich habe einen Studienabschluss, aber es ist weder ein Bachelor noch ein Master. Ich mag eigentlich alles, was eine Mimik aufweisen kann, Kultur, Reisen- das ganz normale Programm…
Es sind inzwischen bald elf Monate da mich im vorletzten Semester meines Studiums die Zukunftsangst packte und ich im Internet auf der Suche nach möglichen Wegen nach dem Abschluss auf diese Version des FSJ stieß.
Am Anfang war ich mir nicht sicher, schließlich würde ich bald meine Abschlussarbeit schreiben und wäre dann voraussichtlich fertig mit studieren- sollte ich nicht anfangen zu arbeiten? Andererseits wollte ich mich noch nicht niederlassen und mich in die Mühle der sozialversicherungspflichtigen Werktätigkeit begeben, nach aktuellen Maßstäben werde ich so oder so noch mindestens 44 Jahre arbeiten müssen-kein Druck also.
Die Bewerbung für das „kulturweit“ verlief gänzlich online- sehr praktisch! Gefragt waren die üblichen Sachen: Warum? Wieso? Warum ich? Wohin? Warum dahin? Sprachkenntnisse, Abschlüsse und und und. Dazu noch alle Referenzen als pdf hochladen und rechtzeitig abgeben (Beginn des FSJ 09/2011- Bewerbungsschluss: 11/2010). Dann hieß es warten, bis März/April müssten sich potentielle Aufnahmeorganisationen melden, ab und an gab es eine Rückmeldung der Koordinationsstelle, wo mein Profil gerade hinversandt wurde.
Der Frühling kam und ging, niemand meldete sich. Verwunderung. Eigentlich hatte ich mir gute Chancen ausgerechnet, normalerweise machen doch hauptsächlich Abiturienten ein FSJ, oder? Und mit mir hätten sie jemanden mit abgeschlossenem Studium bekommen. Offenbar falsch gedacht. Als sich im Mai immer noch niemand gemeldet hatte schrieb ich den ganzen Kram für mich ab und begann nach Arbeit zu suchen. Natürlich kam just in diesem Moment eine Email mit der Anfrage für ein telefonisches Bewerbungsgespräch- aus Kambodscha. Ok- nicht unbedingt meine Wunschregion zu dem Zeitpunkt, aber ich freute mich und hatte sogar das Gefühl, dass das Gespräch gut verlaufen sei, aber danach zuckte sich wieder nix.
Ende Juni kam noch eine Email, diesmal aus Serbien. Das Telefonat verlief diesmal gefühlt noch besser und um das Ganze noch zu krönen schien die andere Seite das auch so zu sehen. Großartig. Inzwischen waren schon die ersten Bewerbungen abgeschickt- was nun? Raus in den Balkan oder pokern und versuchen ein Fuß und die Arbeitswelt zu bekommen? Das „Zigeunerblut“ wie mein Vater das nennt, was einigen meiner Familienmitgliedern immer wieder ganz böses Fernweh beschert, hat gesiegt- Ende September werde ich für sechs Monate nach Serbien gehen!
Ich werde nach Valjevo gehen, eine Stadt westlich von Belgrad, die man bald nicht mehr groß nennen kann. Ich werde dort an einer Schule, die Partnerschule des GoetheInstitutes ist, eine Art Fremdsprachen- und Kulturassistent sein. Ich bekomme Sprachunterricht (für meine nichtvorhandenen Kenntnisse des Serbokroatischen), Hilfe bei der Wohnungssuche, Urlaub und noch so einige andere Annehmlichkeiten.
Ein ‚Problem‘ gibt es noch: Ich kann in meinem Kopf keinerlei Klischees, Vorurteile oder Halbwissen über Serben und die Republik Serbien ausgraben… irgendwie war das was mit Jugoslawien und da ist ja auch irgendwie ständig Stunk mit dem Kosovo- das muss unbedingt vorher noch eruiert werden!
Die letzten Wochen waren geprägt von dem Einholen medizinischer Auskünfte und Versicherungsnachweisen, dann noch schnell kurz und zwischendrin der ewig geplante Roadtrip mit ein paar der Herzensmenschen durch Kalifornien. Vor vier Tagen bin ich gelandet, sämtliche Weiterreisen sind gebucht, nach der 10tägigen Tagung in einem Jugendzentrum östlich von Berlin geht’s nochmal für ein Wochenende nach Hause, Umärmelungen verteilen und dann gibt es kein Halten mehr! (19 Stunden Zugfahrt nach Beograd)
Alles, was noch fehlt ist eine feste Unterkunft in Valjevo, aber da wird bereits mit Hochdruck dran gearbeitet. Vorher gilt es so oder so einige Tage in Belgrad zuzubringen und das künftige Königreich in Besitz zu nehmen. Im Moment steht die Tagung an, viele neue Leute, ein volles Programm- über Serbien bin ich inzwischen auch etwas schlauer, aber das muss bis zum nächsten Eintrag warten.
So long, folks! Salut! Ciao! Adiós! Xiàcijiàn! Zbogom! Und wie man sonst noch so sagen kann.
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