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Donnerstag, 23. Februar 2012

Die letzten Male

Die letzte Woche, die letzten Male. Das letzte Mal Miete bezahlt habe ich schon vor mehreren Wochen, ich  muss aber noch ein letztes Mal zu meinem Vermieter. Heute habe ich zum letzten Mal meine Nebenkosten bezahlt. Darum bin ich nicht traurig. Hier in Serbien brauch man kein Konto, man geht mit den Rechnungen zur Post und bezahlt bar. Freundlich sind die Damen hinter dem Schalter selten.
Heute schreibe ich zum letzten Mal einen Blogeintrag von Arbeit aus, auch wenn es nicht der letzte ist, auch nicht über Serbien. Einige Programme habe ich schon von dem mir anvertrauten Computer deinstalliert. Morgen gehe ich zum letzten Mal auf Arbeit. Gestern habe ich zum letzten Mal unterrichtet. Und dann fahre ich zum letzten Mal nach Belgrad, zumindest für diesen Freiwilligendienst. 
Die Zeit ist wie immer klumpenweise vergangen und dauerte so lange, wie sie eben brauchte. Einiges lief gut, anderes nicht. Man hört ja auch nie auf zu wachsen. Heute scheint wieder die Sonne. Das Filmprojekt hat heute Abend Premiere, danach kommt es dann irgendwann irgendwie online und auch hierher.
Die Endgültigkeit macht sich breit. Die Zukunft ist un- dafür aber klar. C'est la vie!

Montag, 20. Februar 2012

Runterzählen

Vor Weihnachten habe ich mit dem Gedanken gespielt, zu verlängern. Diese Gedanken könnten im Moment nicht weiter weg sein.
Ich hatte und habe Besuch: Für eine Nacht waren die beiden OnDetoursies (Homepage momentan offline, aber auch via Facebook zu finden 'OnDetours') mit ihrem Super-Auto zu Besuch. Mit dem Töff von Deutschland nach Ostasien, Dauer: ca. 2 Jahre. Alter Falter. Und die beiden haben jetzt schon einige spannende Geschichten zu erzählen! (nach ca. drei Monaten) Ich habe ihnen mein serbisches Kaff gezeigt und dann kochten wir gemeinsam veganes Borschtsch- sehr lecker! Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen durfte ich in dem Über-Atuto auch noch bis Belgrad mitfahren!
Eine Runde im Goethe Institut und dann ging es für mich zum Flughafen. Die halbe Zweitfamilie befand sich im Landeanflug. Das gemeinsame Appartment für drei Nächte hätte nicht zentraler gelegen sein können. Von da an hieß es nur noch: lecker essen, Kultur,  genießen und beste Gesellschaft. Herzensmenschen sind doch immer die beste Medizin gegen bestehende oder sich anbahnende Stimmungstiefs!
Es folgte noch eine ganze Menge mehr Schlemmerei, eine Führung durch Belgrads Untergrund (empfehlenswert!). Sonntag Nachmittag dann Trennung für so ca 30 Stunden. Mich ruft die Arbeit, der Rest ist auf gen Norden, Novi Sad erkunden. Einschätzungen des gesamten Belgrad Aufenthalts findet Ihr hier. (Der Post danach resümiert den Novi Sad Tripp).

Und jetzt bin ich wieder auf Arbeit. Die ersten paar Stunden allein waren ganz gut. Alleinsein ist ja auch mal gut. Jetzt grenzt es schon wieder an unerträglich. In der 5-Minuten-Pause schneit eine Lehrerin rein. Gestern war ich noch rundrum glücklich, jetzt fühle ich mich wie kurz vor einer Super-Nova: erst expoldiren und dann zu einem schwarzen Loch zusammenziehen.
Die Tage sind gezählt. Ich gehe jetzt zu meinem Zen-Punkt.

Der Abendunterricht hat nach der Ankunft des Besuchs den Tag endgültig gerettet. Alle Meckerei ist vergessen und mein Lieblings-Lehrer- Nerd hat mir mein erstes Abschiedsgeschenkt überreicht: eine Flasche Slivovic. Zen-Punkt erreicht.

Mittwoch, 14. Dezember 2011

"EU fuck you?"

Mir wurde ja berichtet, dass in Zagreb Wahlplakate mit diesem Slogan in den Straßenbahnen zu sehen sind...
Wenn man heute in die Zeitungen schaut, ist Serbien leicht zu finden. Balkan Insight berichtet von der Abhängigkeit der EU-Anwärterschaft für Serbien von der Anerkennung des Kosovo als eigenständigen Staat, in der Zeit wird von einem Infragestellen der EU-Kandidatur Serbiens geschrieben, in der SZ und der FAZ habe ich bisher noch nichts endeckt.
In den Kommentaren unter dem Zeit-Artikel wird darüber diskutiert, ob Tadic eine Drohung ausgesprochen hat. Oder will Serbien vielleicht sogar das 'kriminelle Kosovo' in die EU einschleusen? Ist der Kosovo dermaßen in illegale Machenschaften verstrickt, dass er unter einem Rechtsstaatssystem gar nicht mehr existieren könnte und deswegen die Unabhängigkeit will?
Ist ganz spannend zu lesen!

Montag, 5. Dezember 2011

Kulturschock!?

Vorgestern war ich noch in Belgrad... und der Umschwung kündigte sich da schon an. Nicht nur, dass das Wetter binnen Stunden von Minusgraden auf mehr als 10°C gewechselt hat, auch sind so ziemlich alle Freiwilligen wieder zurück in ihrem Arbeitsalltag. Geblieben ist der Draht zueinander, vorerst.
Vorgestern war ich noch absolut glücklich in Serbien zu sein, spielte mit Gedanken über Verlängerungen und all das ganze Zeugs. Jetzt sitze ich seit fast neun Stunden in meinem Büro in Valjevo. Ich habe kaum jemanden gesehen, zum zweiten Treffen der Projektgruppen (die mit dem Film) ist für die erste Gruppe niemand erschienen, für die zweite Gruppe waren es ganze zwei. Auf meine Nachrichten und Aufgaben hat natürlich keiner reagiert, warum auch? Dann wurde mir noch ein 'Journalist' vor die Nase gesetzt und ich sollte ein Interview geben. Die Kinder wurden befragt (braucht man dazu nicht die Einwilligung der Eltern?). Der Internetstick droht auch schon wieder wegen Schulden abgeschaltet zu werden , das elterliche Internet ist genauso eine Doofsau und krank bin ich auch immernoch.
Fühlt es sich immer so an, wenn man aus dem Urlaub wieder zurück auf Arbeit kommt? Oder war das mal wieder ein Sprung zwischen den Welten? Jetzt im Moment will ich eigentlich lieber woanders sein: In Rostock, woher mich heute ein Brief erreichte und mir den Tag versüsste, in San Francisco, in Ingolstadt, in Leipzig (Nachtrag: von wo aus ich natürlich auch nach Chemnitz und Dresden fahren würde!) , in Erfurt, in Regensburg, in Wellington, Shanghai oder sonst wo...
Ich gehe mal lieber meinen Unterricht vorbereiten...

Montag, 31. Oktober 2011

Spaziergang durch Valjevo

Um mal einen Einblick in die Stadt zu ermöglichen, in der ich die meisten Werktage verbringe, habe ich hier mal ein paar der schönsten Fortos, die aus meiner Sicht typisch für Valjevo sind zusammengesucht. Die Bilder sollen meine Sicht auf die Stadt zeigen, irgendwie...

Ein Teil der Wohnsiedlung, in der ca. 5000 Menschen leben, keine 5min von meiner Wohnung entfernt.



An der Hauptstraße Richtung Belgrad entlang passiert man fast die gesamte Siedlung
 Wenn ich zu dem Maklerbüro laufe, die mir meine Wohnung vermieten muss ich etwas in die Hügel hineingehen, von denen Valjevo aus fast jeder Richtung umgeben ist:




nicht Uluru, aber auch irgendwie schick.




 Das Licht ist hier, besonders in den Abendstunden, immer besonders schön:




Der allabendliche Blick aus meinem Fenster

Unterwegs in der Stadt: mein täglicher Arbeitsweg

Ich nenne es: das Jugendforum. Scheint eine Art Treffpunkt zu sein ;)


Streunende Hunde gibt es hier überall

Die Sensation: das kürzlich eröffnete New Yorker in einem Gebäude, was mich akut an die Stadthalle in Cottbus erinnert

Die Hügel im Umland sind immer irgendwie zu sehen.

Das 'Kulturzentrum' wo Veranstaltungen stattfinden im schönsten 'Brutalismus'

Die Kirche  befindet sich noch im Bau. Sakralbauten dieses Stils sind überall hier in der Gegend zu finden.

In meiner Mittagspause gehe ich oft in die Altstadt, die gerne auch für Filmdrehs genutzt wird. Sie wirkt in der Tat ein bisschen wie ein historisches Filmset.






oder ich gehe an den Fluss. Als ich ankam, konnte ich mit einem Schritt darübersetzen, langsam kann man den Fluss aber auchals ernstzunehmendes Gewässer betrachten:
Der Zugang zum Flussufer im Stadtzentrum









Die Straße, in der ich wohne. Hier laufe ich  mindestens 2 mal pro Tag lang...


Es gibt hier sog. 'chinesische Läden' mit allerlei Kuststoff Krimskams. Hätte ich einen Telefonanschluss, wöllte ich eines von denen haben!

Serbiens Herbst kann ganz ähnlich dem 'Indian Summer' in den USA sein. Man darf also noch hoffen


Wer 3km von der Arbeit entfernt wohnt kommt mit dem Auto. Fahrrad gefahren wird wenig. Bus ebenso (zumindest in Valjevo, in Belgrad ist es wie  in alles großen Städten).

Fleisch wird hier meist direkt vom Fleischer geholt. Das ist meine Stammhühnerei. Man beachte das blinkende Huhn.

so viel zum serbischen Herbst...


Gesetze sind .. Richtlinien. Vor allem im Straßenverkehr. Das an den Bäumen sind Todesanzeigen, mit denen öffentliche Plätze regelrecht 'plakatiert' werden.

Die meisten Regenrinnen, die ich hier sehe ergießen sich direkt auf den Gehweg. Ich freue mich auf die Zeit mit Bodenfrost...

Ich laufe u.a. jeden Tag an einer Konditorei vorbei. Solche Torten gibts da schon dür ca. 8€.




 Mit der Mitfreiwilligen aus Belgrad bin ich auch schonmal richtig auf einen der Hügel geklettert. Hier ist, welcher Anblick sich uns bot:





Hier kann  man wohl sehr schön heiraten,wie uns von den Gastwirten empfohlen wurde



Und zum Schluss nochmal meine Wirkungsstätte: Das im Barockstil errichtete Valjevska gimnazija:


Dienstag, 25. Oktober 2011

Zum Status quo

Zu allererst einmal voll fett sorry für die lange Beitraglosigkeit, Mensch steht sich halt manchmal selbst im Weg, außerdem war ich am Donenrstag ein dreiviertel Stunde in der Schule eingeschlossen (s.Video)...
So,also um gar nicht erst mit dem Versauern anzufangen und Valjevo zu verlassen, brach ich Sonnabend-Nachmittag auf. Wohin? Nach Belgrad natürlich. Wir wollten tanzen gehen. Also ich wollte tanzen gehen. Und mitreißend wie mein bescheidenes Wesen ist, war es dann irgendwie einfach beschlossen, dass wir tanzen gehen. Was gibt es auch besseres als sich einfach mal die Seele aus dem Leib zu tanzen!? (Was wir hätten tun können...)
Vorbereitend wurden einige Clubs ausfindig gemacht, unter anderem der "Andergraund"-Club, der wohl einer der berühmtesten in ganz Belgrad sein sollte. Nur leicht zu finden isser nicht. Nach einer halben Stunde rumstapfen und nassen Füßen in kaputten Chucks gaben wir dann auf.. ein ander mal vielleicht. Vorher waren wir noch im "The Tube". Heißt so, weil schlauchförmig und ist offenbar eher ein schickerer Club. Der Rosé kostete gleich mal drei Euro und richtig lecker war er auch nich. Die Musik war elektronisch, aber mit einem bisschen guten Willen tanzbar. Nur irgendwie ging es da mehr um gesehen werden als um Spaß haben..  Klapprige Menschen mit ganz krassen Fummeln behängt, Leute die andere Reihenweise mustern...Zumindest während wir da waren schien es so. Nach anderthalb Stunden wechselten wir.
Eine weitere Örtllichkeit zu finden glich ein bisschen einer Odysee, später wurde uns erklärt, dass die Clubs in Belgrad nur immer eine Saison an einem Standort bleiben und deswegen Informationen falsch sein können. Aha! daran lags! Und irgendwie gehen die Menschen auch erst ab 3 so richtig tanzen. Vorher sitzen sie in den Bars und Cafés rum.
Zu dieser Zeit hatten wir eigentlich schon aufgegeben, dann dröhnte aber doch noch Bass aus dem Kulturzentrum am Platz der Republik. Oben in ersten Stock winkte uns jemand zu. 2€ Eintritt später fanden wir uns inmitten einer Queer-Party wieder. Wir blieben fast eíne Stunde. Hier hatten die Leute auf jeden Fall Spaß auch wenn es hätte voller sein können. Leute beobachten hat dort aber defintiv Spaß gemacht. Zum Beispiel ein ganz dünner Junge in engen grauen Sachen, der jedes einzelne Lied mimisch, rythmisch und physisch interpretiert oder die Gruppe von 14jährigen Mädchen mit dem Gesicht voller Farbe... Alles in allem war der Abend anders als erwartet aber auf keinen Fall gescheitert!
Der nächste Versuch in Belgrad tanzen zu gehen wird in größerer Gruppe und mit mindestens einem ortskundigen Belgrader unternommen. Ich hatte auch vergessen, dass tanzen gehen in Deutschland manchmal schon zum Krampf werden kann, wenn man nicht weiß was wo geht und sich auch nicht auskennt, zu Wenige oder zu mäkelig ist...

Der folgende Sonntag war der schönste, den ich bisher in Serbien verbracht habe und genauso, wie ich es am liebsten auch in Valjevo hätte. Ich übernachtete mal wieder bei einer der Mitfreiwilligen und am 'morgen' (so gegen 11) kamen ihre Mitbewohnerinnen nach Hause. Meinen Plan den Tag noch nach Novi Sad zu fahren hatte ich eh schön über meinen unsortierten Klamottenhaufen geschmissen, das Wetter war einfach zu unnett.
Die Mitbewohnerinnen luden zum Grillen im Wochenendhaus und ich durfte auch noch mit! Die beiden haben wohl irgendwie vergleichende Kulturwissenschaften studiert, die eine noch Philsosophie. Aber noch viel interessanter ist, dass beide aktiv in der Kunstszene zu gange sind und auch schon Ausstellungen und Eröffnungen hatten (vor kurzem erst von einer Skulptur). Total spannend!

Ausblick beim Essen über die Donau und Vojvodina
Es folgen spannende Gespräche über Serben, Rechte und Leben von Homosexuellen in Serbien, Fleischzubereitung.. ach einfach alles Mögliche! Es war total spannend und schön neue Leute kennen zu lernen. Da habe ich dann auch noch einen serbischen Maler (den Nachbarn und guten Freund) kennengelernt. Es wurde Rakija aus Limoflaschen getrunken (noch sehe ich ganz gut;) und und und...
Am Ende wurde ich noch geblieben, so dass ich erst Montag nach Valjevo zurückfuhr, alles in Absprache mit der Schule natürlich...

So und da, also in der Schule, hat sich auch einiges getan. Mein Büro hat letzt anstatt einer weiß bemalten Glaswand eine richtige Wand samt neuer Tür. Ich habe ab sofort feste Arbeitszeiten (10-16h) plus den Unterricht für die Lehrer.

Mein Büro von außen

...und innen.
Selbigen habe ich bis jetzt drei mal abgehalten (irgendwie fühlt es sich mehr an). Ich bin zu meinem Erschrecken auch ein Lehrer, der vor der Klasse steht und fragt: "Was haben wir bisher gelernt?" Mich hat das ja als Schüler immer aggressiv gemacht, sowas. Aber wahrscheinlich verstehen die Lehrer eh nur die Hälfte von dem was ich fuchtelnd versuche zu erklären. Bei einigen geht Englsich als Metasprache ganz gut, aber das geht eben auch nicht mit allen.
Auch sind die Niveaus ganz unterschiedlich. Einige haben schon mal Deutsch gelernt, andere gar nicht. Am Anfang hatte ich auch sechs kleine Schülerlein, jetzt sind es schon acht. Inzwischen bin ich sogar ganz glücklich, dass es Erwachsene sind. Sie helfen sich gegenseitig, Fragen nach (oder auch nicht) sind aber nicht irgendwie laut oder sonstwie störend. Außer vielleicht der Chemielehrer, der unfähig zum inneren Monolog zu schein scheint. Trotzdem ist er auf eine verschrobene Art sehr sympatisch...
Eigentllich wollte ich das "sich vorstellen" gestern abschließen, aber als dann eine Lehrerin auf die Frage "Wie heißen sie?" antwortete "Mir geht es gut, danke!" kamen mit an diesem Vorhaben Zweifel. Zur Abwechslung habe ich mit den Zahlen angefangen, das ging sehr gut.
Im Großen und Ganzen ist unterrichten kein Problem. Gerade mit Unterstützung durch die Lehrbücher, die ich mir aus dem Goethe- Institut in Belgard geliehen hab, kann ich mich nach einem Gerüst richten und auch selber gestlaten. So schmeckt das Unterrichten einigermaßen!
Sonst... bin ich am kurbeln, dass die Online- Schülerzeitung anläuft und Artikel bekommt, was gar nicht so einfach ist.. schließlich muss alles auf Deutsch sein und Artikel in einer Fremdsprache zu schreiben ist nicht jedes Schülers Traum. Und ich werde absofort wahrscheinlich auch wieder öfter in den normal Unterricht gehen und einzelne Stunden halten (endlich!). Donnerstag das Schulsystem in Deutschland. Ich sehe die vor Entsetzen aufgerissenen Augen schon förmlich vor mir, wenn ich erkläre, dass wir jeden Tag und jede Woche morgens auf der Matte stehen mussten. (Hier gibts Früh- und Spätschicht 8-14 und 14-20, wochenweise wechselnd, mehr dazu später). Letzte Woche habe ich ganz im Stil von mir sehr geliebter Filme (u.a. Precious) Briefe der Schüler an mich und Aufsätze beantwortet.

Ich hoffe jetzt habe ich soweit alles einigermaßen abgedeckt, sollten es noch Fragen, Wünsche, Meinungen geben, dann bitte: die Kommentierfunktion ist so eingerichtet, dass jeder unter den Beitrag senfen kann. Im Zweifelsfall einfach Name/URL auswählen, Namen eintragen und das Feld für die URL freilassen.

Mittwoch, 28. September 2011

Wohnen in Valjevo

Der erste Vermieter hat es sich über Nacht anders überlegt: von fast sicher zu nicht mehr vermieten wollen. Das zweite Zimmer kostete mehr als verabredet und die einzige Kommunikationssprache war Serbisch. Die dritte Wohnung war für ihren Zustand zu teuer und der Vermieter seltsam. Bei Wohnung Nummer vier in zwei Tagen war nicht klar wie hoch der (normalerweise pauschale) Nebenkostenteil für die Heizung sein wird und die Angaben schwankten zwischen 20 und 50€.
Am Ende stellte sich die einfachste der Lösungen als richtig heraus: man bezahlt, was man verbraucht, može! Lange rede großer Blödsinn Wohnung Nummer vier ist es geworden. Ganz neu hieß es und sah auch so aus. Einraum, zwei große Fenster zum Hof hinaus, Bad, Küchenzeile, Kühlschrank und Waschmaschine vorhanden. Es stellte sich jedoch heraus, dass die letzteren beiden nicht so wirklich funktionieren. Der Kühlschrank bekommt allen Anschein nach (wie auch zwei der Lampen und mind. eine Steckdose) keinen Strom und die Waschmaschine weigert sich die Wäschetrommel auch nur einen Milimeter zu drehen. Dank einer serbischen Kollegin konnte ich noch an Tag drei nach Einzug in die Wohnung den Vater der Besitzerin („der General“) und einen Elektriker in meiner Wohnung empfangen (in Serbien gibt es nämlich viele Eigentumswohnungen). Beide sprachen nur Serbisch, jetzt geht aber alles außer der Waschmaschine, die braucht Ersatzteile und das dauert…
Neben die vielen angenehmen Dingen am Wohnen in Serbien muss man auch sagen, dass die relative und absolute Abwesenheit eines Mülltrennsystems ganz und gar nicht schön ist! Die überall herumstreunenden Hunde durchwühlen dann auch noch den Müll nach Fressbarem und streiten sich dann darum, nachts- ich möchte ihnen jedesmal diese leichten Plastiktüten, die man hier immer und überall bekommt (auch trotz Stoffbeutel, da setzt man den Plastikbeutel dann einfach rein) aus den Schnauzen ziehen, aber naja…
Schön ist, dass man sich des Kinderlärms gar nicht erwehren kann. Die Kinder hier können teilweise recht lang abends auf bleiben, da die Schule im Schichtsystem stattfindet (von 8 bis 14 oder von14h bis 20h) und verbringen im Moment  (24°C tagsüber) noch die meiste ihrer Freizeit an der frischen Luft, spielen, lärmen, raufen- was auch immer und niemanden stört es! So muss es sein!
Um die Kommunikation mit den Liebsten nach fast einer Woche schweigen auf den Kanälen wiederzubeleben soll auch endlich Internet ran. Da erzählt jeder etwas anderes. Richtiges, festes Internet muss angemeldet werden, das dauert ein bisschen, scheint auch nur über Jahresverträge zu gehen und kostet 15 bis 20 Flocken im Monat. Surfsticks erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, können Prepaid und im Dreimonatsvertrag auch Postpaid erworben werden. Als Ausländer (die ersten zehn male war‘s komisch so genannt zu werden, inzwischen ist es normal) darf man aber keine Verträge abschließen, man brauch jemanden, der für einen bürgt (wie bei der Aufenthaltsgenehmigung übrigens auch). Der Direktor der Schule hat diese Aufgabe zur Chefsache erklärt. Das Wichtigste könne ich ja an dem Computer im Lehrerzimmer erledigen (komplett einsehbarer Bildschirm, Facebook blockiert, von Skype ganz zu schweigen) aber immerhin Emails und Geldkram… Nach fast einer Woche in Valjevo und einen Tag nachdem der oberste Jahrgang zur Klassenfahrt nach Griechenland aufgebrochen ist bin ich nun in Besitz einen Surfsticks, juchheißassa!
Ohne Konto zu bezahlen geht im Übrigen ganz problemlos, Barzahlung ist hierzulande sehr üblich, sogar die Miete kann „Cash-auf-Kralle“ gezahlt werden. Manchmal nervt es dann aber doch ein dickes Portemonnaie voller Geldscheine zu haben, die ca. zehn cent wert sind, die will hier auch keiner so richtig haben…

Eine Miniführung durch meine erste eigene Wohnung (ein Filmchen folgt noch):
 Couch/ Bett, recht bequem, aber auch nichts besonderes. In den goldenen Bilderrahmen (die Rahmen sind schön) befinden sich gestickte Bilder mit Pferden oder Landschaften. Das Reliefbild von Italien und das Riesenportrait eines Pärchens habe ich abgehängt!
Rechts: mein Schreibtisch! links daneben mein Bücherregal, darüber die Wand mit allen, die ich eigentlich am liebsten ganz in meinen Koffer gestopft hätte.


Meine Küche! Kühlschrank, eine Pfanne, ein Topf (gekauft), ein Löffel, zwei Gabeln, drei Messer (geliehen), je zwei Teller und Schüsseln (geliehen), ein Aschenbecher und ein paar Gläser und Tassen.

Das Bad ist ein ganz normales mit Dusche usw, im Flur ist ein großer Kleiderschrank, ich brauche noch einen Stuhl, da einige Regalfächer viel zu weit oben für mich sind und, sollte die Waschmaschine je funktionstüchtig werden (in Valjevo gibts ja auch KEINEN Waschsalon), einen Wäscheständer.
Nächste Einträge über Essen usw. sind in Planung!

Donnerstag, 22. September 2011

Wohnungsuche in Valjevo

Ich bin in Valjevo angekommen...
Chronologisch betrachtet sind wir mit dem Bus angekommen, zur Schule gefahren, Kaffeeempfang bei dem Direktor und Kenenlernen von drei der vier Deutschlehrerinnen, dann Wohnungsbesichtigung eins und zwei, kurzer Stadtrundgang, Wohnungsbesichtigung drei, die GI-Mentorin zum Busbahnhof bringen und dann mit der Lehrerinnen-Mentorin nach Hause fahren (ihr armer Mann musste meinen Koffer in den zweiten Stock wuchten...) So weit die moeglichst objektive Sicht.
Subjektiv gesehen stand die erste Wohnung eigentlich schon so gut wie fest, der Vermieter entschied sich aber Sekunden nach unserer Ankunft offenbar um und wollte nun GAR nicht mehr vermieten. Das zweite Zimmer war bei einer aelteren Dame, mit der ich keine Silbe einer gemeinsamen Sprache teilen konnte. Das Zimmer waere ein absoluten Abenteuer geworden, aber irgendwie war es auch nicht so richtig was... Die dritte Wohnung war nett und super gelegen, recht teuer (hart am oberen Limit), aber der Vermieter war seltsam und konnte bzw. wollte nichts ohne seine Frau entscheiden... Auf mehere Einladungen hin bin ich jetzt fuer eine (oder zwei, drei, vier..) Nacht bei meiner serbischen Mentorin untergekommen. Ihre ganze Wohnung ist, wie auch die ersten beiden Zimemer-ROSA! 
So bekomme ich zumindest die Gastfreundlichkeit der Serben direkt zu spueren, ich sitze am Familiencomputer, schlafe im Zimmer der aeltesten Tochter (schon ein bisschen seltsames Gefuehl...) und bekomme Entschuldigungen am laufenden Band zu hoeren, dabei bin ich gerade einfach nur dankbar für die Unterkunft, die Freundlichkeit -alles einfach... Sie sind wirklich alle ungalubllich nett zu mir-ein richtiges Ankommen ist es leider trotzdem nicht, aber das kommt noch!

Samstag, 17. September 2011

Ich packe meinen Koffer…


Als ich vor fünf Jahren nach Frankreich ging, packte ich meinen Koffer am Morgen der Abreise. Jetzt irgendwie undenkbar. Im Moment sind es laut Internet in Valjevo noch so um die 27°C, im Winter können es aber gut und gerne auch mal so -15°C werden. Ich habe einen großen Koffer und einen großen Rucksack…
Zu aller erst war der Koffer allein durch meine Pullover gefüllt- ganz schlecht! Was nehme ich mit, was nicht, was kann ich vielleicht nachholen oder schicken lassen? Am besten die wichtigesten Dinge zuerst: Fotos von den Liebsten, Literatur, Gastgeschenke, Schokolade, Platz für den Rechner lassen, Schlafsack und Zahnbürste… Bei dem Rest entschied ich  mich für eine zwiebelfähige Zweiwochenausrüstung, der Rest ist NEMA PROBLEMA!

 Jetzt muss ich nur noch die Katze irgendwie aus dem Koffer bekommen…

Über Serbien (06.09.2011)


Mit der richtigen Auswahl eigener Musik ist es doch immer wieder möglich in den absurdesten Situationen eine Art von Sicherheit und Ruhe zu erzeugen: Auf dem ICE-Klo, während das Flugzeug über ein Gewitter fliegt, einer sich in eine Richtung bewegenden Menschenmasse entgegenlaufend… Doch genug über die psychische Wirkung von Musik im Wechselspiel von Sicherheit und neuen Eindrücken philosophiert, ich habe versucht mir in den letzten Tagen ein Bild von Serbien anzulesen.
Serbien ist keinesfalls ein Land, was man in drei-vier Sätzen zusammenfassen könnte, zumindest kann ich das nicht. Wenn man „Serbe“ googelt gibt es keine schönen Klischeebilder, die einem zehnmillionen Vorurteile ins Hirn pflanzen, da muss man schon kreativer werden…
Bisher konnte ich in Erfahrung bringen, dass der kommunistische Staat Jugoslawien durch nationale Bewegungen in verschiedenen Teilstaaten stark bröckelte. Unabhängigkeitsbestrebungen brachten das ganze Konstrukt zum wackeln, es gab Proteste und Auseinandersetzung. Die jugoslawische Armee schritt ein und dann irgendwie ist das ganze eskaliert. Der Kosovo, in dem es ja immer noch ab und an rumort, wollte sich von Serbien abspalten, die Kosovo-Albaner (die Mehrheit der Kosovaren) enthielten sich auch einer Abstimmung, die Serbien zu Gute gekommen wäre. Serbien wiederum erkannte den Kosovo nicht als eigenständige Region an, so viel traue ich mir zumindest zu, zusammenzufassen. Um das Ganze noch zu verkomplizieren spielen auch noch einige Namhafte Politiker (u.a. Slobodan Milošević) in die Geschichte mit hinein, später bin ich vielleicht in der Lage mehr darüber zu sagen.
Die Vorbereitungstagung und mit ihr über 190 Mitfreiwillige rückt in immer greifbare Nähe, es bleibt spannend!
So long, folks! Salut! Ciao! Adiós! Xiàcijiàn! Zbogom! Und wie man sonst noch so sagen kann.