Montag, 31. Oktober 2011

Spaziergang durch Valjevo

Um mal einen Einblick in die Stadt zu ermöglichen, in der ich die meisten Werktage verbringe, habe ich hier mal ein paar der schönsten Fortos, die aus meiner Sicht typisch für Valjevo sind zusammengesucht. Die Bilder sollen meine Sicht auf die Stadt zeigen, irgendwie...

Ein Teil der Wohnsiedlung, in der ca. 5000 Menschen leben, keine 5min von meiner Wohnung entfernt.



An der Hauptstraße Richtung Belgrad entlang passiert man fast die gesamte Siedlung
 Wenn ich zu dem Maklerbüro laufe, die mir meine Wohnung vermieten muss ich etwas in die Hügel hineingehen, von denen Valjevo aus fast jeder Richtung umgeben ist:




nicht Uluru, aber auch irgendwie schick.




 Das Licht ist hier, besonders in den Abendstunden, immer besonders schön:




Der allabendliche Blick aus meinem Fenster

Unterwegs in der Stadt: mein täglicher Arbeitsweg

Ich nenne es: das Jugendforum. Scheint eine Art Treffpunkt zu sein ;)


Streunende Hunde gibt es hier überall

Die Sensation: das kürzlich eröffnete New Yorker in einem Gebäude, was mich akut an die Stadthalle in Cottbus erinnert

Die Hügel im Umland sind immer irgendwie zu sehen.

Das 'Kulturzentrum' wo Veranstaltungen stattfinden im schönsten 'Brutalismus'

Die Kirche  befindet sich noch im Bau. Sakralbauten dieses Stils sind überall hier in der Gegend zu finden.

In meiner Mittagspause gehe ich oft in die Altstadt, die gerne auch für Filmdrehs genutzt wird. Sie wirkt in der Tat ein bisschen wie ein historisches Filmset.






oder ich gehe an den Fluss. Als ich ankam, konnte ich mit einem Schritt darübersetzen, langsam kann man den Fluss aber auchals ernstzunehmendes Gewässer betrachten:
Der Zugang zum Flussufer im Stadtzentrum









Die Straße, in der ich wohne. Hier laufe ich  mindestens 2 mal pro Tag lang...


Es gibt hier sog. 'chinesische Läden' mit allerlei Kuststoff Krimskams. Hätte ich einen Telefonanschluss, wöllte ich eines von denen haben!

Serbiens Herbst kann ganz ähnlich dem 'Indian Summer' in den USA sein. Man darf also noch hoffen


Wer 3km von der Arbeit entfernt wohnt kommt mit dem Auto. Fahrrad gefahren wird wenig. Bus ebenso (zumindest in Valjevo, in Belgrad ist es wie  in alles großen Städten).

Fleisch wird hier meist direkt vom Fleischer geholt. Das ist meine Stammhühnerei. Man beachte das blinkende Huhn.

so viel zum serbischen Herbst...


Gesetze sind .. Richtlinien. Vor allem im Straßenverkehr. Das an den Bäumen sind Todesanzeigen, mit denen öffentliche Plätze regelrecht 'plakatiert' werden.

Die meisten Regenrinnen, die ich hier sehe ergießen sich direkt auf den Gehweg. Ich freue mich auf die Zeit mit Bodenfrost...

Ich laufe u.a. jeden Tag an einer Konditorei vorbei. Solche Torten gibts da schon dür ca. 8€.




 Mit der Mitfreiwilligen aus Belgrad bin ich auch schonmal richtig auf einen der Hügel geklettert. Hier ist, welcher Anblick sich uns bot:





Hier kann  man wohl sehr schön heiraten,wie uns von den Gastwirten empfohlen wurde



Und zum Schluss nochmal meine Wirkungsstätte: Das im Barockstil errichtete Valjevska gimnazija:


Sonntag, 30. Oktober 2011

Kulturwochenende

Die Woche war irgendwie anstrengend... Nichtsdestowenigertrotz stand der 10. Belgrader Kabarettabend an und wir hatten Karten ergattert. Also ging es Freitag direkt nach der Arbeit zum Busbahnhof, in einen eher reudigen Bus und nach Belgrad.
Am Treffpunkt Pferd, dem Standartreffpunkt an der Reiterstatue auf dem Platz der Republik, kam die Mitfreiwillige samt Besuch aus LE auch direkt an und wir sahen uns das Programm "Bis jetzt!" des österreichischen Kabarettisten Alfred Dorfer an. Der Abend war sehr unterhaltsam, politisch inkorrekt (!) und auch nicht zu viel. Die Struktur war ein wenig seltsam, aber bei einer geschenkten Karte kann man da schon mal drüber hinwegsehen...
Danach wurde der Besuchsgeburtstag noch im Little Bay ausgefeiert. Just als wir nach ausführlichen Gesprächen die Betten in Beschlag nehmen wollten, tauchten auch noch die wundervollen Mitbewohnerinnen auf. Deren aktuelles Kunstprojekt, ein mechanischer Garten, wurde am Morgen dann nach ausführlichem Frühstück besichtigt.
Bilder von der Eröffnung des mechanischen Gartens. (Quelle: Facebook)

hinten links: Luftdruckblumen, vorn rechts: Speichengras

das mit den blauen Kugeln sit sowas wie Schilf, rechts ein Katktus

Das Projekt davor war eine Seifenblasenmaschine. Kunst zum Anfassen so zu sagen, allen zugänglich.. ein bisschen wie ein besonderes Spielzeug. Ich fands spitze!!!
Und wieder folgte auf das Zusammentreffen mit den beiden Mitbewohnerinnen eine spontane Erweiterung des Wochenendprogrammes: es ging noch auf die Buchmesse. Eine Messe ist eine Messe und gegen die in Leipzig kommt die hier zwar nicht ran, aber sie war fast genauso groß und nicht minder vielseitig. In Leipzig habe ich mich immer gefragt, wer bei diesen kleinen Verlagen rumsitzt und was die Leute da zum Geier machen!? Antwort: Wir, Vinjak (serb. Cognac) trinken, über Ulysses reden (die eine Mitbewohnerin hat es tatsächlich ausgelesen und fand es wunderschön) und von William Blakes Gedichten (u.a. The Tyger) schwärmen... Der einizige wirklich bemerkbare Unterschied zu Buchmessen, die ich bisher gesehen habe (mal abgesehen von Sprache und Schrift) ist, dass es weniger Werbegeschenke gibt. Die einzige Ausbeute meinerseits sind drei sehr schöne Buttons vom Stand des Goethe Instituts.
 
Dafür habe ich endlich wieder richtig Lust bekommen, ein schönes Buch zu lesen. Vielleicht nicht gleich Ulysses, aber der vierte Teil des Vermächtnis-Zikels kommt Anfang November in die Läden. Gute, alte Fantasy ist doch ein schöner Einstieg. Und bis dahin habe ich noch meinen Wilde-Wälzer.

Für mich ging es noch Samstag Abend zurück, heute ist frei. Ausschlafen, putzen, Wäsche waschen, rumwuseln und mal alles egal sein lassen! Vielleicht noch den ein oder anderen im Skype belästigen ;) Priatno!

Dienstag, 25. Oktober 2011

Zum Status quo

Zu allererst einmal voll fett sorry für die lange Beitraglosigkeit, Mensch steht sich halt manchmal selbst im Weg, außerdem war ich am Donenrstag ein dreiviertel Stunde in der Schule eingeschlossen (s.Video)...
So,also um gar nicht erst mit dem Versauern anzufangen und Valjevo zu verlassen, brach ich Sonnabend-Nachmittag auf. Wohin? Nach Belgrad natürlich. Wir wollten tanzen gehen. Also ich wollte tanzen gehen. Und mitreißend wie mein bescheidenes Wesen ist, war es dann irgendwie einfach beschlossen, dass wir tanzen gehen. Was gibt es auch besseres als sich einfach mal die Seele aus dem Leib zu tanzen!? (Was wir hätten tun können...)
Vorbereitend wurden einige Clubs ausfindig gemacht, unter anderem der "Andergraund"-Club, der wohl einer der berühmtesten in ganz Belgrad sein sollte. Nur leicht zu finden isser nicht. Nach einer halben Stunde rumstapfen und nassen Füßen in kaputten Chucks gaben wir dann auf.. ein ander mal vielleicht. Vorher waren wir noch im "The Tube". Heißt so, weil schlauchförmig und ist offenbar eher ein schickerer Club. Der Rosé kostete gleich mal drei Euro und richtig lecker war er auch nich. Die Musik war elektronisch, aber mit einem bisschen guten Willen tanzbar. Nur irgendwie ging es da mehr um gesehen werden als um Spaß haben..  Klapprige Menschen mit ganz krassen Fummeln behängt, Leute die andere Reihenweise mustern...Zumindest während wir da waren schien es so. Nach anderthalb Stunden wechselten wir.
Eine weitere Örtllichkeit zu finden glich ein bisschen einer Odysee, später wurde uns erklärt, dass die Clubs in Belgrad nur immer eine Saison an einem Standort bleiben und deswegen Informationen falsch sein können. Aha! daran lags! Und irgendwie gehen die Menschen auch erst ab 3 so richtig tanzen. Vorher sitzen sie in den Bars und Cafés rum.
Zu dieser Zeit hatten wir eigentlich schon aufgegeben, dann dröhnte aber doch noch Bass aus dem Kulturzentrum am Platz der Republik. Oben in ersten Stock winkte uns jemand zu. 2€ Eintritt später fanden wir uns inmitten einer Queer-Party wieder. Wir blieben fast eíne Stunde. Hier hatten die Leute auf jeden Fall Spaß auch wenn es hätte voller sein können. Leute beobachten hat dort aber defintiv Spaß gemacht. Zum Beispiel ein ganz dünner Junge in engen grauen Sachen, der jedes einzelne Lied mimisch, rythmisch und physisch interpretiert oder die Gruppe von 14jährigen Mädchen mit dem Gesicht voller Farbe... Alles in allem war der Abend anders als erwartet aber auf keinen Fall gescheitert!
Der nächste Versuch in Belgrad tanzen zu gehen wird in größerer Gruppe und mit mindestens einem ortskundigen Belgrader unternommen. Ich hatte auch vergessen, dass tanzen gehen in Deutschland manchmal schon zum Krampf werden kann, wenn man nicht weiß was wo geht und sich auch nicht auskennt, zu Wenige oder zu mäkelig ist...

Der folgende Sonntag war der schönste, den ich bisher in Serbien verbracht habe und genauso, wie ich es am liebsten auch in Valjevo hätte. Ich übernachtete mal wieder bei einer der Mitfreiwilligen und am 'morgen' (so gegen 11) kamen ihre Mitbewohnerinnen nach Hause. Meinen Plan den Tag noch nach Novi Sad zu fahren hatte ich eh schön über meinen unsortierten Klamottenhaufen geschmissen, das Wetter war einfach zu unnett.
Die Mitbewohnerinnen luden zum Grillen im Wochenendhaus und ich durfte auch noch mit! Die beiden haben wohl irgendwie vergleichende Kulturwissenschaften studiert, die eine noch Philsosophie. Aber noch viel interessanter ist, dass beide aktiv in der Kunstszene zu gange sind und auch schon Ausstellungen und Eröffnungen hatten (vor kurzem erst von einer Skulptur). Total spannend!

Ausblick beim Essen über die Donau und Vojvodina
Es folgen spannende Gespräche über Serben, Rechte und Leben von Homosexuellen in Serbien, Fleischzubereitung.. ach einfach alles Mögliche! Es war total spannend und schön neue Leute kennen zu lernen. Da habe ich dann auch noch einen serbischen Maler (den Nachbarn und guten Freund) kennengelernt. Es wurde Rakija aus Limoflaschen getrunken (noch sehe ich ganz gut;) und und und...
Am Ende wurde ich noch geblieben, so dass ich erst Montag nach Valjevo zurückfuhr, alles in Absprache mit der Schule natürlich...

So und da, also in der Schule, hat sich auch einiges getan. Mein Büro hat letzt anstatt einer weiß bemalten Glaswand eine richtige Wand samt neuer Tür. Ich habe ab sofort feste Arbeitszeiten (10-16h) plus den Unterricht für die Lehrer.

Mein Büro von außen

...und innen.
Selbigen habe ich bis jetzt drei mal abgehalten (irgendwie fühlt es sich mehr an). Ich bin zu meinem Erschrecken auch ein Lehrer, der vor der Klasse steht und fragt: "Was haben wir bisher gelernt?" Mich hat das ja als Schüler immer aggressiv gemacht, sowas. Aber wahrscheinlich verstehen die Lehrer eh nur die Hälfte von dem was ich fuchtelnd versuche zu erklären. Bei einigen geht Englsich als Metasprache ganz gut, aber das geht eben auch nicht mit allen.
Auch sind die Niveaus ganz unterschiedlich. Einige haben schon mal Deutsch gelernt, andere gar nicht. Am Anfang hatte ich auch sechs kleine Schülerlein, jetzt sind es schon acht. Inzwischen bin ich sogar ganz glücklich, dass es Erwachsene sind. Sie helfen sich gegenseitig, Fragen nach (oder auch nicht) sind aber nicht irgendwie laut oder sonstwie störend. Außer vielleicht der Chemielehrer, der unfähig zum inneren Monolog zu schein scheint. Trotzdem ist er auf eine verschrobene Art sehr sympatisch...
Eigentllich wollte ich das "sich vorstellen" gestern abschließen, aber als dann eine Lehrerin auf die Frage "Wie heißen sie?" antwortete "Mir geht es gut, danke!" kamen mit an diesem Vorhaben Zweifel. Zur Abwechslung habe ich mit den Zahlen angefangen, das ging sehr gut.
Im Großen und Ganzen ist unterrichten kein Problem. Gerade mit Unterstützung durch die Lehrbücher, die ich mir aus dem Goethe- Institut in Belgard geliehen hab, kann ich mich nach einem Gerüst richten und auch selber gestlaten. So schmeckt das Unterrichten einigermaßen!
Sonst... bin ich am kurbeln, dass die Online- Schülerzeitung anläuft und Artikel bekommt, was gar nicht so einfach ist.. schließlich muss alles auf Deutsch sein und Artikel in einer Fremdsprache zu schreiben ist nicht jedes Schülers Traum. Und ich werde absofort wahrscheinlich auch wieder öfter in den normal Unterricht gehen und einzelne Stunden halten (endlich!). Donnerstag das Schulsystem in Deutschland. Ich sehe die vor Entsetzen aufgerissenen Augen schon förmlich vor mir, wenn ich erkläre, dass wir jeden Tag und jede Woche morgens auf der Matte stehen mussten. (Hier gibts Früh- und Spätschicht 8-14 und 14-20, wochenweise wechselnd, mehr dazu später). Letzte Woche habe ich ganz im Stil von mir sehr geliebter Filme (u.a. Precious) Briefe der Schüler an mich und Aufsätze beantwortet.

Ich hoffe jetzt habe ich soweit alles einigermaßen abgedeckt, sollten es noch Fragen, Wünsche, Meinungen geben, dann bitte: die Kommentierfunktion ist so eingerichtet, dass jeder unter den Beitrag senfen kann. Im Zweifelsfall einfach Name/URL auswählen, Namen eintragen und das Feld für die URL freilassen.

Montag, 17. Oktober 2011

Von der Arbeit

Hier wird es langsam echt kühl, demnächst erste Minusgrade! Die letzte Woche war einiges los, Empfang in der deutschen Botschaft: Hände schütteln, lächeln, erzählen wie und warum man in Serbien ist, nette Menschen und desinteressierte Politiker bunt gemischt. Dann noch ein toller Tag mit viel Wissen für den Unterricht, den ich den Lehrern an meiner Schule ab heute Abend zukommen lassen darf...
Am Wochenende hatte ich dann endlich mal Besuch hier in Valjevo. Die beiden Mitfreiwilligen kamen zu Jazzfest her. Es war kein Festival, wie wir uns das vorgestellt hatten, sondern jeden Abend drei Bands und anschließende Jamsession. Von wirklich wohlklingendem Jazzorchester über Potmodernen Jazz (für mich klang es, als spielte jeder seins) bis hin zu einer Jazzsängerin, die aber in meinen Ohren eher schmalzig als alles andere war. Laut waren sie aber alle.
Heute ist ein richtig geschäftiger Arbeitstag. Unterrichtsvorbereitung für die erste Deutschstunde mit den Lehrern, die irgendwan mal bilingual unterrichten sollen. So weit ich weiß, haben die Herrschaften gar keine Vorkenntnisse, manche müssen, andere wollen- das werde ich heute genau erkundschaften.
Gerade hat mir eine Deutschlehrerin Aufsätze zum Thema "Ich habe einen Traum" reingegeben. Genausowas finde ich toll! Allerdings soll ich nur das Leistungsniveu beurteilen und nicht mit den Ergebnissen arbeiten. Die genannten Träume sind echt interessant: Dem Freund die Haare schneiden, Träumen ist blöd, nach einer Armverletzung wieder gut Basketball zu spielen, dass der Freund wieder anfängt Alkohol zu trinken-weil er ohne so langweilig geworden ist, Modefotografie und New York... Was wohl in diesen Köpfen sonst noch so rumspukt?
Auf die Dauer ist Lehrersein vielleicht nichts für mich, aber auf der menschlichen Ebene mit solchen und anderen zu arbeiten scheint mir wesentlich interessanter und angenehmer. Auch mal nicht schlecht schon viel angezweifelte Entscheidungen der Vergangeheit eine Prise bestätigt zu bekommen!

Sonntag, 9. Oktober 2011

Erste Schritte in Bosnien...

Was man nicht alles so macht. Da ich vor fast drei Wochen (ja-so lange bin ich schon Serbien) vor lauter Schläfrigkeit nur mit dem Personalausweis nach Serbien einreiste musste ich nun das Land wieder verlassen.
Meiner-Einer in der Spackenverkleidung auf dem Bahnhof in Belgrad...
Es gibt normale Visa für Serbien, die gelten für 90 Tage innerhalb von 6 Monaten. Soweit ich informiert bin haben das schon einige Freiwillige so gemacht und sind dann eben nach 90 Tagen ausgereist bzw. da viele so oder so reisen oder über Weihnachten zurückfahren bietet sich das eigentlich an. Problem ist nur, dass man sich nach 90 Tagen neu anmelden muss und der Besitzer der Immobilie, in der man wohnt, mit zur Polizei kommen muss um für einen zu bürgen. In meinem Fall ist die Besitzerin in Italien und die Chefin des Maklerbüros müsste im Januar noch mal antanzen…
Die richtige Aufenthaltsgenehmigung erfordert einen Stempel im Reisepass (!!!), Passfotos, das Deutsch-Jugoslawische Abkommen über soziale Sicherheit (JU 6 bzw. E 111), eine Einkommensauskunft (auf Serbisch übersetzt von einem gerichtlich anerkanntem Übersetzer), einen Antrag auf Serbisch, eine Auslandsversicherungsbestätigung, eine Kopie von Reisepass und Mietvertrag und eine Kopie der Kreditkarte (?) oder einen Kontoauszug. Das Ganze wird begleitet von fluffigen 13.000 Dinar (130€).
Die ganze Aktion MUSS binnen vierundzwanzig Stunden nach der Einreise bei der Auslandsabteilung der örtliche Polizei (wo Englischkenntnisse nicht erwartet werden sollten!) beantragt werden. Nun wollte ich nicht einfach so über die Grenze kutschen wie zum Polenmarkt: das Etnovillage war, wie bereits angekündigt, das Ziel.
Von Valjevo aus kommt man nicht sonderlich gut irgendwohin, erst recht nicht aus dem Land, also wieder nach Belgrad. Den Abend verbrachten wir noch dort und gönnten uns zum Monatsanfang mal was. Von einer Serbin als günstiges Restaurant empfohlen (was dann wohl luxuriös ist?) gingen wir ins Little Bay und speisten für 10€ pro Person wie Göttinnen in Serbien.
In so einer Loge dinnierten wir UND hatten sogar eine Kordel um nach dem Kellner zu läuten!
Der Blick aus unserer Loge (ich möchte AKUTES Crowdpotential anmelden!)
Danach waren wir noch in der Skadarlija, einer kleinen Kopfsteinpflasterstraße inmitten von Belgrad, die auch das Monmatre von Belgrad genannt wird, wo Folklore gespielt und in den Restaurants getanzt wird. Mir gefiel es sehr gut.
Dreimal ist zu erraten wohin ich in diesem Moment wollte...
Das sind Kupferplatten, in die per Nadelstich wunderschöne Muster gestochen wurden. Gerollt fungieren sie dann als Teelichter. wunderschön- Papá, sowas wünsche ich mit zu Weihnachten von Dir!


 Nach vier Stunden Schlaf ging es morgens um sieben mit dem Bus drei Stunden nach Bijeljina in Bosnien und Herzegowina. Von dort aus gab es keine Busverbindung zum Entovillage, warum auch. Wir fuhren für 10 km (konvertierte Mark, weil seinerzeit im Kurs 1:1 an die DM angeglichen, ergo ca. 5€) 10 Minuten mit dem Taxi. Das Dorf an sich ist sehr niedlich. Historische Häuser aus ganz Bosnien wurden dorthin gebracht und zu einem überniedlichen kleinen Dörfchen zusammengebaut.
Der Mittealter- Teil (bei gutem Wetter Cocktaillounge)
Die Höllenschwäne von Bosnien sind eigentlich ganz lieb...

Der Holzteil des Dorfes...

Als Tagesausflug eignet sich das Dorf nur, wenn man mächtig Geld ausgeben will um dort zu essen. Ideal ist das Dorf wenn man viel Kohle hat und zum Beispiel heiraten will. Dann sollte man es im Sommer einfach komplett mieten, betrunken im Teich mit den schwarzen Schwänen plantschen, im Ablauf der Flussmühle baden und was einem sonst noch so an Blödsinn einfällt, die Vorstellung gefiel uns beiden überaus gut!.
Zu geizig um wieder 5 Flocken für den Rückweg zu bezahlen (es war ja auch erst 12 Uhr), beschlossen wir (es standen viele Autos mit Belgrader Kennzeichen auf dem Parkplatz) es als Anhalter zu versuchen.
Wie die vorbeifahrenden Bosnier, Serben, Österreicher, Deutschen, Schweizer und Italiender diesem Daumen widerstehen konnten, ist mit ein Rästel!

Nach einer Stunde laufen im posttemperaturstürzigen Balkan (10°C) waren es nur noch ein/zwei Kilometer bis zur Stadt, wir gaben auf und direkt hielt ein Auto vor uns an. Wir versuchten es mehrfach mit ‚autobuska stanica bijeljina‘, wurden nicht verstanden und auf die Frage, ob der junge Mann Englisch verstünde meinte er nur: ‚No, no, no no‘ drehte auf den Hacken rum, stieg ein und fuhr davon… Das übertrifft sogar die Frau, der ich in Belgrad entgegenlief (mit Karte in der Hand) um sie um Hilfe zu fragen, die einfach weiterlief- SAUEREI!
Nichstdestowenigertrotz war es ein schönes Wochenende: ich konnte über Filme referieren, kichern und quatschen, etwas Neues sehen, wandern, mir meinen Stempel im Reisepass holen und gaaaaanz viel Bus fahren. Nächstes Wochenende fahre ich nirgendwo hin, denn die Welt des Jazz kommt nach Valjevo (oder so), die MitfreiwilligINNEN (ein kleiner Tribut an den Herrn Papá ;) kommen zu mir- hach das wird schön! Besuch haben ist ja immer toll! Vorher ist aber noch am 12. Empfang in der Deutschen Botschaft, was mich da erwartet weiß ich nicht im Geringsten zu sagen!