Samstag, 8. Oktober 2011

Here we go...

Auf Wunsch eines einzelnen jungen Mannes aus dem tumben Thüringen hier eine kurze Zwischenbilanz. Diese Woche ist nicht sooo viel passiert. In der Tat scheint hier nichts mal schnell zu passieren, vor allem, wenn man es braucht. Unverhofft kommt aber umso öfter:


Einerseits ist meine Waschmaschine immernoch nicht repariert, was mich zwang gestern mit der Hand zu waschen. Weichei wie ich bin, habe ich natürlich auch direkt Blasen an den Händen davongetragen…
Andererseits wurde mir ein ersehntes und wichtiges Gespräch mit einem Lieblingsmenschen verwehrt, da von einem Tag auf den anderen mein Surfstick nicht mehr funktionierte.
Ein Besuch bei dem Anbieter eröffnete mir, dass der Vertragsnehmer wohl seine Handyrechnung nicht bezahlt hätte… Den Stick gekauft hatte der Direktor. Wie aber den Leiter der Bildungseinrichtung darauf aufmerksam machen, dass er doch bitte seine Schulden bei dem Telefoninstitut bezahlen soll weil ich VERDAMMT NOCH MAL TELEFONIEREN WILL!? Das Gespräch fiel natürlich aus (von wegen schnell und so) 36 Stunden später funktionierte das gute Stück wieder. Das ganze klang lustiger als es sich anfühlte (die Sucht lässt grüßen), der Tag war im Arsch. Jetzt kann ich aber auch darüber lachen ;)
Eine weitere interessante Entwicklung ist, dass eine französische Organisation schon seit einer Weile versucht bilingualen Unterricht am Gymnasium in Valjevo zu installieren und nun damit anfängt Lehrer dafür auszubilden. Da ein und dasselbe Gymnasium ja aber auch Partnerschule des Goetheinstituts ist, muss da gleichgezogen werden. Ich werde also ab Dienstag nächste Woche Deutsch als Fremdsprache (DAF) lehren- und zwar Lehrern, die keine Ahnung von gar nichts haben (zumindest was Deutsch betrifft). Es war zwar am Anfang mal im Gespräch, dass ich bei dem Aufbauen des bilingualen Unterrichts und der Lehrerweiterbildung helfen sollte, aber dass ich das schmeißen soll hat mich dann doch überrascht, ganz zu schweigen von diesem Wettrenncharakter. Erste Rachepläne an naturwissenschaftlichen Lehrern wurden bereits geschmiedet, meinerzeit musste ich ja auch leiden!
Ja, das alles war ein bisschen viel diese Woche. Dazu kamen Geistesgestörte am anderen Ende der Welt, Funkstille in Teilen der Heimat, der Lärm,, überall diese Serben, die einem auf der Straße nicht ausweichen (sogar Kinder!), Komplikationen mit der Aufenthaltsgenehmigung, die Kindergeldkasse aus der Hölle, der Müll überall und naja und was einen dann eben sonst noch alles annervt, aufregt oder mitfühlen lässt.
Am Mittwochabend war dann auch der Punkt erreicht, an dem ich feststellte, dass ich in den letzten beiden Wochen in Valjevo die gesamte Underworld-Trilogie, die verlängerte Herr der Ringe Trilogie, Hellboy II, Wanted, TheBoat that Rocked, The Fountain (immer, immer wieder wunderschön!!!), Herkules, einen Film von Leni Riefenstahl und bestimmt 20 Die drei ??? Hörspiele konsumiert habe und ca. 24h am Tag im skype online bin. Ich brauche dringend ein Privatleben in Valjevo! Von den Serben hier bekommt man auf diesbezügliche Fragen allerdings eher unbefriedigende Antworten…
Die Erwachsenen gehen Arbeiten (2 bis 3 Anstellungen teilweise) und haben Familie, die Jugendlichen treffen sich in Bars oder auf Privatparties. Nach dem ganzen Gewühl und der Verwirrung zu Hause und hier in den letzten Wochen war das erimitieren anfangs ja nicht schlecht, aber abends vor dem Rechner zu sitzen zu hoffen jemand würde doch bitte im Skype online kommen und sich bitte, bitte mit mir unterhalten ist keine Lösung auf die Dauer. Ich weiß, dass das für den Anfang normal ist, wenn dann aber niemand im Skype ist oder das Internet nicht geht oder sonst was, merke ich, dass ich mich mitten in einer Kulturschockphase befinde.
Dabei gibt es nicht mal große Unterschiede hier zu Deutschland, eher viele kleine. Aber die kleinen Dinge kommen halt immer gemeinsam und haben hohes Nervpotential. Ich will aber auch gar nicht jammern, ich bin mehr als privilegiert hier sein zu können und diese Erfahrung mach zu dürfen, ich bin wahrscheinlich einfach mal wieder zu ungeduldig...
Das ganze war auch gestern schlagartig vorbei als sich aus der permantenten leichten Brise der letzten Wochen richtiger Wind entwickelte, Wolken aufzogen und sich langsam und allmählich ein Gewitter zusammenbraute (so am Rande: das Licht hier entwickelt ganz andere Farben als in Deutschland- ein Fakt, von dem ich begeistert bin!).

Da konnte man Katja mit einem breiten Grinsen und toller Musik auf den Löffeln durch Valjevos Straßen gehen sehen. Und: in drei Stunden breche ich wieder nach Belgrad auf um meine beiden wundervollen Mitfreiwilligen zu treffen, morgen geht’s dann für einen Tag nach Bosnien, ins Etno- Village damit am Montag die Aufenthaltsgenehmigung endlich abgehakt werden kann!
Einatmen, ausatmen- der Rest kommt von allein!

2 Kommentare:

  1. der einzelne junge mann dankt. und thüringen ist nicht tumb. orschloch.

    AntwortenLöschen
  2. ist aber 'ne schöne alliteration ;)

    AntwortenLöschen