Sonntag, 9. Oktober 2011

Erste Schritte in Bosnien...

Was man nicht alles so macht. Da ich vor fast drei Wochen (ja-so lange bin ich schon Serbien) vor lauter Schläfrigkeit nur mit dem Personalausweis nach Serbien einreiste musste ich nun das Land wieder verlassen.
Meiner-Einer in der Spackenverkleidung auf dem Bahnhof in Belgrad...
Es gibt normale Visa für Serbien, die gelten für 90 Tage innerhalb von 6 Monaten. Soweit ich informiert bin haben das schon einige Freiwillige so gemacht und sind dann eben nach 90 Tagen ausgereist bzw. da viele so oder so reisen oder über Weihnachten zurückfahren bietet sich das eigentlich an. Problem ist nur, dass man sich nach 90 Tagen neu anmelden muss und der Besitzer der Immobilie, in der man wohnt, mit zur Polizei kommen muss um für einen zu bürgen. In meinem Fall ist die Besitzerin in Italien und die Chefin des Maklerbüros müsste im Januar noch mal antanzen…
Die richtige Aufenthaltsgenehmigung erfordert einen Stempel im Reisepass (!!!), Passfotos, das Deutsch-Jugoslawische Abkommen über soziale Sicherheit (JU 6 bzw. E 111), eine Einkommensauskunft (auf Serbisch übersetzt von einem gerichtlich anerkanntem Übersetzer), einen Antrag auf Serbisch, eine Auslandsversicherungsbestätigung, eine Kopie von Reisepass und Mietvertrag und eine Kopie der Kreditkarte (?) oder einen Kontoauszug. Das Ganze wird begleitet von fluffigen 13.000 Dinar (130€).
Die ganze Aktion MUSS binnen vierundzwanzig Stunden nach der Einreise bei der Auslandsabteilung der örtliche Polizei (wo Englischkenntnisse nicht erwartet werden sollten!) beantragt werden. Nun wollte ich nicht einfach so über die Grenze kutschen wie zum Polenmarkt: das Etnovillage war, wie bereits angekündigt, das Ziel.
Von Valjevo aus kommt man nicht sonderlich gut irgendwohin, erst recht nicht aus dem Land, also wieder nach Belgrad. Den Abend verbrachten wir noch dort und gönnten uns zum Monatsanfang mal was. Von einer Serbin als günstiges Restaurant empfohlen (was dann wohl luxuriös ist?) gingen wir ins Little Bay und speisten für 10€ pro Person wie Göttinnen in Serbien.
In so einer Loge dinnierten wir UND hatten sogar eine Kordel um nach dem Kellner zu läuten!
Der Blick aus unserer Loge (ich möchte AKUTES Crowdpotential anmelden!)
Danach waren wir noch in der Skadarlija, einer kleinen Kopfsteinpflasterstraße inmitten von Belgrad, die auch das Monmatre von Belgrad genannt wird, wo Folklore gespielt und in den Restaurants getanzt wird. Mir gefiel es sehr gut.
Dreimal ist zu erraten wohin ich in diesem Moment wollte...
Das sind Kupferplatten, in die per Nadelstich wunderschöne Muster gestochen wurden. Gerollt fungieren sie dann als Teelichter. wunderschön- Papá, sowas wünsche ich mit zu Weihnachten von Dir!


 Nach vier Stunden Schlaf ging es morgens um sieben mit dem Bus drei Stunden nach Bijeljina in Bosnien und Herzegowina. Von dort aus gab es keine Busverbindung zum Entovillage, warum auch. Wir fuhren für 10 km (konvertierte Mark, weil seinerzeit im Kurs 1:1 an die DM angeglichen, ergo ca. 5€) 10 Minuten mit dem Taxi. Das Dorf an sich ist sehr niedlich. Historische Häuser aus ganz Bosnien wurden dorthin gebracht und zu einem überniedlichen kleinen Dörfchen zusammengebaut.
Der Mittealter- Teil (bei gutem Wetter Cocktaillounge)
Die Höllenschwäne von Bosnien sind eigentlich ganz lieb...

Der Holzteil des Dorfes...

Als Tagesausflug eignet sich das Dorf nur, wenn man mächtig Geld ausgeben will um dort zu essen. Ideal ist das Dorf wenn man viel Kohle hat und zum Beispiel heiraten will. Dann sollte man es im Sommer einfach komplett mieten, betrunken im Teich mit den schwarzen Schwänen plantschen, im Ablauf der Flussmühle baden und was einem sonst noch so an Blödsinn einfällt, die Vorstellung gefiel uns beiden überaus gut!.
Zu geizig um wieder 5 Flocken für den Rückweg zu bezahlen (es war ja auch erst 12 Uhr), beschlossen wir (es standen viele Autos mit Belgrader Kennzeichen auf dem Parkplatz) es als Anhalter zu versuchen.
Wie die vorbeifahrenden Bosnier, Serben, Österreicher, Deutschen, Schweizer und Italiender diesem Daumen widerstehen konnten, ist mit ein Rästel!

Nach einer Stunde laufen im posttemperaturstürzigen Balkan (10°C) waren es nur noch ein/zwei Kilometer bis zur Stadt, wir gaben auf und direkt hielt ein Auto vor uns an. Wir versuchten es mehrfach mit ‚autobuska stanica bijeljina‘, wurden nicht verstanden und auf die Frage, ob der junge Mann Englisch verstünde meinte er nur: ‚No, no, no no‘ drehte auf den Hacken rum, stieg ein und fuhr davon… Das übertrifft sogar die Frau, der ich in Belgrad entgegenlief (mit Karte in der Hand) um sie um Hilfe zu fragen, die einfach weiterlief- SAUEREI!
Nichstdestowenigertrotz war es ein schönes Wochenende: ich konnte über Filme referieren, kichern und quatschen, etwas Neues sehen, wandern, mir meinen Stempel im Reisepass holen und gaaaaanz viel Bus fahren. Nächstes Wochenende fahre ich nirgendwo hin, denn die Welt des Jazz kommt nach Valjevo (oder so), die MitfreiwilligINNEN (ein kleiner Tribut an den Herrn Papá ;) kommen zu mir- hach das wird schön! Besuch haben ist ja immer toll! Vorher ist aber noch am 12. Empfang in der Deutschen Botschaft, was mich da erwartet weiß ich nicht im Geringsten zu sagen!

3 Kommentare:

  1. was gabs denn so zu essen in der little bay? sieht ja wirklich bombastisch aus.

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  2. gegrilltes huhn auf geschmorten gnocchian rucola in sahnesauce und katzenfisch auf kartoffelpüree und zum abschluss zartbittermousse au chocolat mit himbeeren und schlagsahne.

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