Sonntag, 2. Oktober 2011

Wochenende und Polizei

Ganz offiziell Wochenende Numéro deux in Serbien. Die erste Arbeitswoche liegt hinter mir, langsam nimmt alles Form und Farbe an, nur was tun, in der Stadt, in der bestimmt immer jemand schläft? Viel Beschäftigungen, denen man allein nachgehen kann gibt es hier nämlich nicht…
Lange Rede kurzer Blödsinn, die Mitfreiwilligen in Belgrad wollten mit dem Boot über Save oder Donau schippern: klingt gut- bin ich dabei. Zwei Stunden unklimatisierte Busfahrt in praller Sonne später bin ich in Belgrad und finde mich ganz allein, wenn auch nicht auf direktem Weg zum Platz der Republik. Wege sind ja bekanntlich weiter als sie manchmal scheinen, ein Anruf beim Veranstalter der Bootsfahrt mit Mittagessen kurz vor dem Ziel sagt uns dann, dass genau die heute nicht stattfindet. Auch gut. Auf einen Kaffee auf ein überschickes Hausboot, besichtigen einer übertollen WG in Belgrad, die eine der Mitfreiwilligen bewohnt:
Ausblick vom WG-Balkon über das nächtliche Belgrad

Ein Bier in der Innenstadt:

Zebrastreifen
wieder zurück, Frühstück über den Dächern Belgrads:

und wieder in die Stadt und dann zurück nach Valjevo, soviel in der Kurzübersicht. 

Mein Wochenende war schön, urban, entspannt und voller Kommunikation, die kein Meta brauchte!



Politisch interessant war das Wochenende in Belgrad, weil eigentlich für den 2. Oktober das GAY PRIDE FESTIVAL angesagt war. Hier ist das allerdings nicht so zu sehen, wie in Deutschland oder so, weit gefehlt!  Wikipedia zitiert: „Noch immer sind 67 % der Bevölkerung laut Umfrage gegen dieHomosexualität. 20 Prozent sind laut Umfrageergebnissen sogar bereit, Gewaltgegen Homosexuelle zu unterstützen oder diese zu rechtfertigen“. 2010 fand nach 2001 wieder ein Festival statt, es gab mehr Gegendemonstranten als Aktivisten, die für die Rechte der nicht-Heterosexuellen auf die Straße gegangen sind. Es kam zu Ausschreitungen, Verletzungen und Festnahmen.
Die Deutsche Botschaft schickte an alle registrierten Deutsche, die sich in und um Belgrad aufhalten könnten eine Warnungsemail mit einer Liste von mindestens 10 Gegenveranstaltungen, Märschen und Messen, die auch schon am Tag zuvor stattfinden sollten. In der Nacht von Freitag zu Samstag wurden alle Demonstrationen und Gegendemonstrationen verboten, weil die Polizei befürchtete, die Demonstrierenden nicht schützen zu können. So zumindest die offizielle Version.
In der Stadt selber war Polizei so präsent wie keine von uns bisher erfahren, gesehen oder gehört hatte.

Am Sonnabend kamen uns ganze Militärkolonen entgegen und Sonntag standen an jeder Häuserecke mindestens fünf Polizisten in voller Montur. An Knotenstellen kamen dazu auf einen Polizisten noch ca. zwei Reporter mit Videokamera oder Teleobjektiv... Ob es noch zu Krawallen kam, weiß ich nicht- die Vermutung liegt aber nahe.
Genaueres traue ich mich nicht zu sagen, da ich mich in Unkenntnis der Mediensituation in und um die Gay Pride Parade befinde und auch die Hintergründe nicht kenne. Macht euch selbst ein Bild, spannend ist es allemal, wenn auch verdammt traurig, wie ich finde!

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