Weil ich ja so lange nicht unterwegs war, ging es am Samstag für ziemlich genau 24 Stunden zu einem Mitfreiwilligen nach Pristina. Die sechs Stunden Busfahrt dahin bargen einige Überraschungen: nach zwei Stunden ging der Schaffner durch die Reihen und verteilte kleine Kuchen. Danach gab es ungefragt ein Glas Cola und gegen elf gab es Instantkaffe mit Sprühschlagsahne...
Auch wenn es zum Kosovo von serbischer Seite ja eigentlich gar keine Grenze gibt wurden wir jedes mal wie sonst auch bei Aus- und Einreise kontrolliert. Einziger Unterschied: Es gibt keinen Einreisestempel, aber einen Ausreisestempel. Und ganz entgegen dem Bild, was man so von der westeuropäischen Medienberichterstattung vermittelt bekommt, war nirgendwo auch nur der Hauch eines Risikos.
Die Stadt Pristina war während unseres Besuches vor allem weiß-der Schnee lag ziemlich hoch. Mein erster richtiger Schnee dieses Jahr!
Ansonsten muss ich leider sagen, dass Pristina keine sonderlich schöne Stadt ist. Was schön ist: Die Stadt ist relativ klein, ziemlich jung und sehr international. Selbst wir schafften es in unserer Zeit sogenannte 'Internationals' kennenzulernen.
| Schnee! |
Ansonsten muss ich leider sagen, dass Pristina keine sonderlich schöne Stadt ist. Was schön ist: Die Stadt ist relativ klein, ziemlich jung und sehr international. Selbst wir schafften es in unserer Zeit sogenannte 'Internationals' kennenzulernen.
Pristina ist die erste Stadt, in der ich war, wo man tatsächlich den Muezzin mehrfach am Tag durch die Stadt schallen hört (Warum das in Sarajevo nicht der Fall war, finde ich noch heraus)- es verändert das Stadtgefühl wirklich stark.
Was in Pristina auffällt ist die USA-Affinität (Bill Clinton Blvrd, Hotel Liberty mit einer Mini-Freiheitsstatue auf dem Dach usw.), der Einfluss der EU (die blau-gelbe Flagge, die heraussttechenden EU-Gebäude etc.), Mutter Theresa (Straße, Kathedrale [sie war Albanerin]) und das Zugehörigkeitsgefühl. Offenbar fühlt sich niemand im Kosovo als Kosovare. Die Serben fühlen sich zu Serbien zugehörig und die Albaner zu Albanien (die schwarz-rote Flagge ist auch überall zu sehen). Das Ganze spiegelt sich auch in den Sprachen wieder: Albanisch, Serbisch (in lateinischer Schrift) und Englisch, sogar auf den Straßenschildern.
| Kontraste pur. |
| Das Stadtpanorama. Beeindruckend ist nur der Smog. |
| Pristina. Das Ding in der Mitte ist übrigens der 'Palast der Jugend' |
Der Sonntag war wirklich ein perfekter Tag: Nach einem kurzen Barbesuch am Samtagabend (Kaca heißt auf albanisch wohl sowas wie Hagebutte ...) galt der Sonntagvormittag der Besichtigung der Stadt, dann wurde lecker geschmaust, danach in einem Büchercafé entspannt und der Cafékatze zugeschaut. Weil es dann nicht mehr großartig etwas zu sehen gab sind wir noch für 3€ ins Kino gegangen und haben uns die Hollywood- Interpretation des Stieg Larsson Buchs 'The Girl with the Dragon Tattoo' (ca.3h, keine Werbung) angesehen. Ein perfekter Tag also.
Naja, abgesehen von der Heimfahrt. Erst stand der Bus stundenlang irgendwo in der Pampa rum (wohl aufgrund von Protesten an der Grenze) und dann ist der Busfahrer in einem Affenzahn bei dichtem Nebel über die gewundene Landstraße gebrettert. Ich saß ganz hinten rechts im Bus in der Ecke und fühlte mich wie ein Opfer die Fliehkraft und hatte zwischenzeitlich klaustrophobische Anwandlungen... Heute morgen halb sieben, mit zwei Stunden Verspätung, kamen wir dann in Belgrad an, ich bin direkt nach Valjevo weitergfahren, hatte schon eine Vertretungsstunde und gebe heute 20.00Uhr nochmal Unterricht.
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